Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 011 - 25.03.2019
Analyse und Forderungen zur Entwicklung des Wohnungsmarkts in Rheinland-Pfalz

Wohnraum: Wohnen ist die neue soziale Frage. Immer mehr Menschen können sich ausreichenden Wohnraum nicht mehr leisten

Der DGB Rheinland-Pfalz / Saarland hat heute zum Auftakt seiner Aktionswoche unter dem Motto „Bezahlbar ist die halbe Miete“ eine Analyse zur Entwicklung des Wohnungsmarkts in Rheinland-Pfalz und seine daraus abgeleiteten Forderungen präsentiert. Nachdem zahlreiche öffentlich zugängliche Daten zusammengetragen und ausgewertet wurden, stellte Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland, fest: „Wohnen ist die neue soziale Frage. Immer mehr Menschen können sich ausreichenden Wohnraum nicht mehr leisten. Bund, Land und Kommunen sind gefordert, selbst direkt am Wohnungsmarkt tätig zu werden.“ Während dieser Woche finden in ganz Rheinland-Pfalz Veranstaltungen und Aktionen des DGB zum Thema Wohnen statt.

 

Fast die Hälfte aller Haushalte in Mainz (44,2 Prozent) müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens allein für ihre Miete ausgeben. In Ludwigshafen sind es 42,7 Prozent, in Trier 37,2 Prozent und in Koblenz 33,2 Prozent – jeder dritte Haushalt. In Mainz muss jeder vierte Haushalt (25,3 Prozent) sogar mehr als 40 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete aufwenden. In Ludwigshafen und Trier ist von einer so hohen Mietbelastung jeder fünfte Haushalt (21,2 bzw. 18,7 Prozent), in Koblenz immer noch jeder siebte Haushalt (15,1 Prozent) betroffen. „Mit Blick auf die Mietbelastungsquoten hat sich die Lage am Wohnungsmarkt vor allem in den Großstädten von Rheinland-Pfalz dramatisch zugespitzt. Wenn eine vierköpfige Familie in Mainz ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 4.825 Euro benötigt, um sich eine 4-Zimmer-Wohnung unterhalb der angemessenen Mietbelastungsquote zu leisten, dann stimmt etwas nicht!“, so Dietmar Muscheid. „Der absurde Mietenwahnsinn muss endlich aufhören – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer benötigen neben guter Beschäftigung auch eine bezahlbare Wohnung in der Nähe Ihres Arbeitsplatzes.“, forderte Muscheid deshalb. Ergänzend stellte er fest, dass der Mietpreis bei Neuvermietungen auch im Umland der Großstädte stark angestiegen ist und mittlerweile fast auf deren Niveau liegt.

 

„Die Mietpreisbremse ist ein löchriges Instrument, das in Rheinland-Pfalz zudem nur in Trier, Landau und Mainz gilt. Hier ist das Land gefordert, mehr Gebiete als solche mit angespanntem Wohnungsmarkt auszuweisen.“, erklärte Muscheid. Weiterhin konstatierte er, dass beim sozialen Wohnungsbau zwar viel durch das Land getan wird, aber noch nicht genug. In den nächsten zwölf Jahren läuft die Bindung bei der weit überwiegenden Anzahl der Sozialwohnungen aus. Hier müssen Bund, Land und Kommunen viel stärker als bisher aktiv werden. Zusammenfassend stellte Muscheid fest: „Die althergebrachten Instrumente der Wohnungsmarktregulierung wirken nur indirekt und viel zu schwach. Der Markt hat versagt. Der Staat ist gefordert, direkt in den Wohnungsmarkt einzugreifen und selbst Wohnungen zu bauen und zu vermieten. Einige Kommunen in Rheinland-Pfalz haben bereits gezeigt, dass dies möglich ist. Nun müssen die anderen nachziehen. Wohnen ist Menschenrecht!“

 

 

Zum Hintergrund:

 

Was ist die Mietbelastungsquote?

Die Mietbelastungsquote ist der Anteil eines Haushaltsnettoeinkommens, der für die Bruttokaltmiete aufgebracht werden muss. Als Bruttokaltmiete wird die Summe aus Nettokaltmiete und den umlagefähigen kalten Betriebskosten, wie z.B. Wasser, Abwasser und Müllabfuhr definiert.

Ab wann ist die Mietbelastungsquote problematisch?

Eine Mietbelastungsquote von mehr als 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens gilt unter Sozialwissenschaftler*innen und Immobilienexpert*innen als problematisch, weil dann zu wenig Geld zur sonstigen Lebensführung übrig bleibt. Das gilt insbesondere bei Menschen mit kleinerem Einkommen. Auch Vermieter*innen setzen meist die Grenze von 30 Prozent an, da sie sonst einen Ausfall der Mietnahmen befürchten.

 

Die Aktionswoche unter dem Motto „Bezahlbar ist die halbe Miete“ ist Teil des Zukunftsdialogs des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Beim DGB-Zukunftsdialog spricht der DGB in den kommenden Jahren vor Ort und online mit den Menschen in Deutschland über die Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen – vom angespannten Wohnungsmarkt über neue Arbeitszeitmodelle bis hin zu Verkehrskonzepten für die Zukunft. Der DGB fragt, was die Menschen in Deutschland bewegt. Wie stellen sie sich gute Arbeit und ein gutes Leben vor? Die Aktionswoche vom 25. bis 29. März ist der bundesweite öffentliche Auftakt zum Zukunftsdialog. In den kommenden Jahren folgen in ganz Deutschland hunderte weitere Veranstaltungen zu weiteren Themen. Online läuft die Debatte zum Zukunftsdialog unter www.redenwirueber.de

 

Die Wohnraumbroschüre können Sie hier herunterladen:


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