„Junge Menschen ohne Ausbildung rutschen schnell in die Armut“ - DGB stellt Dossier vor
Mit den Sozialreformen mutet die Bundesregierung den Bürger*innen Einiges zu, es wird viel darüber debattiert und – zu Recht – auch kritisiert. In den Diskussionen werden junge Menschen einmal mehr kaum erwähnt. Jedes vierte Kind oder Jugendlicher unter 18 Jahren gilt in Rheinland-Pfalz (23,8 Prozent) als armutsgefährdet. Dass Schüler*innen, Auszubildende und Student*innen von etwaigen Kürzungen stark betroffen sind und die Armutsgefährdung seit Jahren kontinuierlich steigt, zeigt der DGB Rheinland-Pfalz / Saarland im Dossier „Jung, motiviert – und trotzdem broke? Wie Armut junge Menschen trifft – und was sich ändern muss“, das am (heutigen) Montag, den 7. September 2026, in einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.
„Die Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass Beschäftigte bis zu vier Jahre befristet angestellt werden können. Das ist gerade für junge Menschen fatal. Wie soll man eine Wohnung finden, wie einen Kredit bekommen, wenn man sich von einem befristeten Job zum nächsten hangelt?“, kritisiert Susanne Wingertszahn, Vorsitzende des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland.
Selbst wenn man eine Wohnung gefunden hat: Gerade die Mietpreise bringen – nicht nur – junge Menschen finanziell in die Bredouille. Die Hälfte der Studierenden verfügt über weniger als 930 Euro im Monat, die Hälfte der Azubis muss mit weniger als 1278 Euro auskommen. Azubis bezahlen im Schnitt 41 Prozent ihres Einkommens nur für die Miete, Studierende sogar 53 Prozent (in der Gesamtbevölkerung liegt der Wert bei 25 Prozent). „Es muss dringend Wohnraum geschaffen werden. Wir brauchen eine echte Bauoffensive für geförderten Wohnraum - und zwar auch speziell für Azubi- und Studierendenwohnheime“, so Wingertszahn.
„Dringenden Handlungsbedarf sehen die Gewerkschaften auch beim BAföG. Die von der Bundesregierung geplante Erhöhung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Sätze müssen an die realen Lebenskosten angepasst werden“, so Wingertszahn. Außerdem sei die Zahl der Studierenden, die überhaupt BAföG erhalten, mit 13,8 Prozent in Rheinland-Pfalz sehr niedrig (Azubis nur 3 Prozent). „Ob jemand ein Studium oder eine Ausbildung beginnen kann, darf nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen.“
142.000 Menschen unter 35 Jahren in Rheinland-Pfalz haben gar keinen Berufsabschluss. Darin liegt enormes Potential, um Fachkräfteengpässe zu beheben. Belastend ist die Situation jedoch individuell für die betroffenen selbst. Denn die Zahlen des Dossiers belegen eindeutig: Eine Ausbildung schützt vor Armut. „Deshalb brauchen wir einen Ausbildungsfonds, eine echte Ausbildungsgarantie und ein Azubi-Ticket, um das duale Ausbildungssystem fairer und attraktiver zu gestalten“, so Wingertszahn.
Beschäftigte mit Berufsausbildung verdienen im Schnitt 700 Euro monatlich mehr. Während 2023 20 Prozent der Personen ohne Ausbildung arbeitslos waren, waren es unter denen mit Ausbildung nur drei Prozent. „Junge Menschen ohne Ausbildung rutschen schnell in die Armut. Wir müssen diesen Menschen unter die Arme greifen“, so Wingertszahn.