Azubi-Report des DGB: Erschöpft und krank zur Arbeit schleppen

Datum

Ordnungsnummer PM 035

Die duale Ausbildung steckt in der Krise. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist in den vergangenen Jahren stark rückläufig und mittlerweile bildet nur noch jedes fünfte Unternehmen überhaupt aus. Die Krise spiegelt sich offenbar bei den jungen Menschen auch in der Bewertung ihrer Ausbildung wider: Denn im Azubi-Report des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland, der am (heutigen) Montag vorgestellt wurde, geben nur noch 64 Prozent an, zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung zu sein – der zweitniedrigste Wert seit dem Start des Reports 2012.

Der Schwerpunkt des Reports 2026 lag auf der mentalen Gesundheit. „Für viele Azubis gehört es zum Alltag, erschöpft zu sein, sich krank zur Arbeit zu schleppen oder mit dem Gedanken zu spielen, die Ausbildung abzubrechen“, erklärt Susanne Wingertszahn, Vorsitzende des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland. Die Belastungen entstünden dort, wo Zeit für Erholung fehle, Pendelwege zu lang seien, Arbeitszeiten ausuferten und die Vergütung nicht zum Leben reiche. 

 

Ein großes Problem, das der Report deutlich macht: Über 40 Prozent der Auszubildenden mit psychischen Belastungen wissen nicht, mit wem sie darüber sprechen können. „Die Ausbildung darf kein Lebensumstand sein, der die ohnehin hohen psychischen Belastungen junger Menschen noch erhöht“, so Wingertszahn. „Wir brauchen qualifiziertes Ausbildungspersonal, planbare Arbeitszeiten, eine angemessene Vergütung, bezahlbaren Wohnraum und sichere berufliche Perspektiven“, so Wingertszahn.

Ausbilder*innen und Lehrkräfte, so Wingertszahn, müssen für den Umgang mit psychischen Belastungen qualifiziert werden. Berufsschulen brauchen niedrigschwellige, vertrauliche und sichtbare Beratungsangebote. „Psychische Belastungen müssen systematisch über Gefährdungsbeurteilungen erfasst und reduziert werden. Notwendig sind planbare Arbeitszeiten, digitale Zeiterfassung, begrenzte Überstunden und Schutz vor ständiger Erreichbarkeit“, so Wingertszahn.

 

Natürlich gehe es auch weiter darum, die Attraktivität der Ausbildung an sich zu erhöhen und wieder mehr Unternehmen dazu zu bringen, junge Menschen auszubilden. „Wir brauchen einen Ausbildungsfonds, in den alle Unternehmen einzahlen und der Betriebe, die ausbilden, finanziell unterstützt. Wir brauchen eine Bauoffensive für geförderten Wohnraum für Auszubildende und wir brauchen ein Azubiticket, damit die jungen Menschen günstig an ihren Arbeitsplatz kommen“, so Wingertszahn.

Grundlage für den Auszubildenden-Report ist ein Fragebogen, der während der Berufsschultour der DGB-Jugend an berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz verteilt wurde. Zielgruppe der Befragung sind nur Auszubildende im dualen System (Betrieb und Berufsschule), der Schwerpunkt der Befragung liegt auf dem 1. und 2. Ausbildungsjahr. 1049 Auszubildende aus etwa 30 Ausbildungsberufen wurden befragt, der Report ist repräsentativ.

 

Den Ausbildungsreport gibt es hier zum Download.: Ausbildungsreport

Das Factsheet steht hier zum Download: Schwerpunkt: Mentale Gesundheit

 

zurück