Ausbildungsbilanz: Zu viele junge Menschen ohne Zukunftsperspektive
Der Ausbildungsmarkt steckt weiter in der Krise, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Das belegt die am (heutigen) Freitag veröffentlichte Bilanz der Agentur für Arbeit zum Ausbildungsjahr. „Die Zahl der angebotenen Stellen und in Ausbildung vermittelten Bewerber*innen sinkt, denn immer weniger Unternehmen bilden aus. Wir werden weltweit um unser duales Ausbildungssystem beneidet. Aber wir müssen dringend mehr in die Attraktivität der dualen Ausbildung investieren, damit sich mehr junge Menschen für sie begeistern lassen und sich mehr Betriebe an dem Konzept beteiligen“, fordert Susanne Wingertszahn, Vorsitzende des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland.
19.774 Bewerber*innen haben sich im vergangenen Ausbildungsjahr bei der Agentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz als Suchende gemeldet. Davon konnten nur 7.977 Bewerber*innen in eine Ausbildung vermittelt werden. Erneut bleiben viele junge Menschen, die gerne einen Beruf erlernen würden, ohne Ausbildung. Darunter sind 1.599 offiziell unversorgt. 1.738 Personen sind direkt in einen Job gestartet, weitere 1.111 haben sich arbeitslos gemeldet.
Mittlerweile leben in Rheinland-Pfalz 148.500 junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben. „Die Zahl ist viel zu hoch. Wir verschenken hier in Zeiten der Fachkräfteengpässe und in Anbetracht der Boomer-Generation, die in Rente geht, jede Menge Potential“, so Wingertszahn. „Die jungen Menschen ohne Berufsabschluss drohen, im Niedriglohnsektor zu verharren und letzten Endes in die Armut zu rutschen – das ist keine Zukunftsperspektive.“
Dass eine Berufsausbildung ein ganz wichtiger Faktor ist, um nicht von Armut gefährdet zu sein, zeigte nicht zuletzt die Broschüre des DGB zur Jugendarmut. „Allein deshalb müssen wir junge Menschen in Ausbildung bringen und sie durch die gute Qualität der Ausbildung auch dort halten“, so Wingertszahn.
Die hohen Mietpreise - gerade in den Ballungszentren - schlagen den Azubis finanziell schwer ins Kontor. „Deshalb brauchen wir Wohnheime - auch speziell für Auszubildende“, so Wingertszahn. Aktuelle Pläne der Bundesregierung, dass Arbeitsverträge bis zu vier Jahre immer wieder befristet werden können, trügen weiterhin zur schwierigen Lage der jungen Menschen bei.
Die Azubis sind die Fachkräfte von morgen. „Wir müssen dafür sorgen, dass auch diejenigen eine Chance bekommen, die ein bisschen mehr Unterstützung brauchen. Da sehe ich vor allem die Unternehmen in der Pflicht, die nach wie vor Bestenauslese betreiben“, so Wingertszahn.
Nur noch 17,8 Prozent der Betriebe in Rheinland-Pfalz bilden überhaupt aus - 2005 waren es hingegen noch 25,3 Prozent. „In einen Ausbildungsfonds, beispielsweise nach dem Bremer Vorbild, sollten alle Unternehmen einzahlen. Die Unternehmen, die ausbilden, erhalten finanzielle Unterstützung aus dem Fonds – das ist gerecht und macht es attraktiver wieder in die Ausbildung einzusteigen“, so Wingertszahn.