Rückblick: Demonstration, Kundgebung und Familien fest am 1. Mai in Koblenz

Datum

Schiff aus Leutesdorf und Andernach kommt in Koblenz an

Demonstrationszug durch die Stadt

Gewerkschaftsjugend am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus

Ankunft vor der Bühne

Begrüßung durch Sebastian Hebeisen, DGB-Regionsgeschäftsführer

Oberbürgermeister David Langner

Tobias Paulus, Bezirksleiter IGBCE Mittelrhein

Talkrunde mit Erdal Tahta (Betriebsrat bei ZF Active Safety GmbH), Denis Hammer (Betriebsrat bei Novelis Koblenz GmbH) und Oliver Kisters (Betriebsrat bei Stabilus GmbH) aus dem Ortsvorstand der IG Metall Koblenz.

IG Metall Neuwied

Sven Börgers, Betriebsratsvorsitzender 1&1 Telecommunication SE Montabaur

Gewerkschaftsjugend auf der Bühne

DJane Løra Papi

Rede von Tobias Paulus, Bezirksleiter IGBCE Mittelrhein:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Gewerkschaftsfreundinnen und Gewerkschaftsfreunde,

zunächst möchte ich Sebastian Hebeisen danken, dass ich heute in meiner neuen Funktion als Bezirksleiter Mittelrhein der IGBCE zur Maikundgebung hier in Koblenz sprechen darf.

Mein Name ist Tobias Paulus und ich bin seit November 2025 Bezirksleiter der IGBCE Mittelrhein mit Sitz in Neuwied. Wir betreuen in der Region rund 100 Betriebe und etwa 7.500 Beschäftig vertrauen uns ihre Anliegen an und sind Mitglied in unserer IGBCE.

Aber ich danke vor allem euch allen, dass ihr heute so zahlreich hier seid.
Und ein herzliches Dankeschön für die Organisation an das gesamte Team des DGB Koblenz sowie an alle DGB-Mitgliedsgewerkschaften und ihre Funktionäre

Es ist immer etwas Besonderes, vor der DGB Familie zu sprechen zu dürfen, gerade am 1. Mai!

Und genau darum geht es: Der 1. Mai gehört uns.
Am Tag der Arbeit sind wir heute auf der Straße, um zu zeigen,

was Beschäftigte mit der Kraft der Solidarität erreichen können, wenn sie sich in Gewerkschaften organisieren.

Auch in diesem Jahr machen wir deutlich:
Gewerkschaften sind notwendige Schutz  und Gegenmacht, wenn es darum geht, die Interessen der Beschäftigten in unserem Land zu wahren und zu verteidigen.
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Und das ist aktueller denn je, die Lage ist ernst!

Es ist nicht die Zeit, die Dinge schönzureden:

Nein wir müssen heute Klartext sprechen!

Die Energie  und Inflationskrise infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wirkt bis heute nach.
Hinzu kommen internationale Handelskonflikte und eine aggressive Industriepolitik – gerade aus den USA und China –, die der deutschen Wirtschaft wichtige Exportmärkte entziehen.

Chinesische Unternehmen konkurrieren längst in zentralen Zukunfts  und Hightech Bereichen mit unseren Betrieben.
Und aktuelle geopolitische Konflikte treiben Energie  und Lebenshaltungskosten weiter in die Höhe.

All das trifft uns gerade besonders hart, weil die Krisen durch hausgemachte Probleme verschärft werden:

jahrelanges Kaputtsparen der Infrastruktur, fehlende industriepolitische Strategien für Deutschland und Europa, Managementfehler und mangelnde Investitionen in Zukunftstechnologien auf Seiten der Arbeitgeber.
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Unser aktuelles Dilemma:
Wir erleben Arbeitsplatzabbau statt Zukunftsinvestitionen!


Und dass, obwohl Deutschland so viele Staatsschulden aufnimmt wie nie zu vor!

Statt den Standort zu modernisieren und Beschäftigung zu sichern,
statt in Innovation, Qualifizierung und Daseinsvorsorge zu investieren –
werden in vielen Branchen Arbeitsplätze abgebaut.
Jeden Monat gehen rund 10.000 Industriearbeitsplätze verloren.

Die Angst um Job, Zukunft und Familie wächst.
Das erleben wir auch hier in der Region Koblenz sehr konkret.

Im vergangenen Jahr habe ich, wie viele meiner Hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen der DGB Gewerkschaften, unsere Betriebsräte und Vertrauensleute vor allem dabei unterstützt, Restrukturierungen und Personalabbau zu begleiten.

Ich sage es offen:
Das macht keinen Spaß.
Es geht um Existenzen, um Lebensgrundlagen – und um den Wohlstand unseres Landes.

Damit muss endlich Schluss sein!

Wir fordern: Erst unsere Jobs – dann eure Profite!

Viele global agierende Unternehmen nutzen die Krise, um Milliarden im Ausland zu investieren – auch große deutsche Traditionsunternehmen.

Standorttreue sieht anders aus.
Die soziale Verantwortung der Arbeitgeber gegenüber ihren Belegschaften nimmt immer mehr ab.

Nur Profit zählt für Kapitalisten – nicht die Menschen.

Und wenn Renditeerwartungen nicht erfüllt werden, werden Standorte und Arbeitsplätze geopfert.
Ich sage: Schluss damit!
Der Mensch und die Gesellschaft müssen wieder im Mittelpunkt stehen.

Besonders zynisch wird es, wenn Unternehmen trotz schwarzer Zahlen Arbeitsplätze abbauen, um Bilanzen zu schönen –
und sich dann wundern, dass Motivation sinkt und Krankenstände steigen.

Das Problem ist nicht mangelnde Leistungsbereitschaft.
Das Problem sind kurzsichtige, profitorientierte Entscheidungen der Arbeitgeber.

Genau deshalb gibt es uns! Wir sind das Gegengewicht

Gerade jetzt brauchen wir starke Gewerkschaften und starke Betriebsräte, die sich für Standortsicherung und Beschäftigung einsetzen.

Und ja:
Wir können auch Erfolge vorweisen.
Viele Gewerkschaften haben in den letzten Jahren Standort  und Beschäftigungssicherungstarifverträge durchgesetzt.

In der chemischen Industrie beispielsweise haben wir gerade im der Tarifrunde 2026 neben Entgeltsteigerungen einen Transformationsbetrag von 600 Euro vereinbart – ein Instrument, das Betriebsräten ermöglich sich wirksam für Qualifizierungsinstrumente der Belegschaft und Standortsicherung einzusetzen.


Damit haben wir in einem großen Flächentarifvertrag, der für knapp 600.000 Beschäftigte in Deutschland gilt den ersten Schritt getan, den Aderlass des Beschäftigungsabbaus in der chemischen Industrie zu stoppen!
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Und damit komme ich zur Mitbestimmung – unser Fundament

Der 1. Mai ist auch ein Tag der Mitbestimmung.
Mitbestimmung ist kein Luxus, kein Beiwerk.

Sie ist elementarer Bestandteil unserer Sozialen Marktwirtschaft.

Bundesweit werden derzeit zehntausende Betriebsräte gewählt –
die größte demokratische Wahl nach Bundestag und Europawahl.

Allen Gewählten herzlichen Glückwunsch –
und allen Beschäftigten: Geht wählen und stärkt euren Betriebsräten den Rücken! 
Eine hohe Wahlbeteiligung ist wichtig!

Dennoch ist es ein Skandal, dass jede fünfte Erstwahl eines Betriebsrats mit illegalen Mitteln von Arbeitgeber und hoch bezahlten Kanzleien behindert werden –
und sogenanntes „Union Busting“ kaum verfolgt wird.

Gute Arbeitgeber wissen:
Mitbestimmung ist kein Standortnachteil!
Sie ist Stabilitätsanker, Erfolgsmodell und Ausdruck von Respekt gegenüber hart arbeitenden Menschen.

Und nebenbei sind Betriebe mit funktionierender Mitbestimmung nachweißlich produktiver!

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Deshalb gilt:
Wir müssen Demokratie stärken – im Betrieb und darüber hinaus!

Wo Mitbestimmung fehlt, wächst Frust.
Und Frust ist der Nährboden für antidemokratische Kräfte und rechte Parteien.
Wer im Betrieb erlebt, dass seine Stimme zählt, vertraut auch der Demokratie insgesamt.

Deshalb brauchen wir:

•    mehr Mitbestimmung, nicht weniger
•    stärkere Rechte bei Digitalisierung, KI, Arbeitszeit und Standortentscheidungen
•    ein digitales Zugangsrecht für Gewerkschaften, auch im Homeoffice


Demokratie im Betrieb ist eine Tragende Säule unserer Gesellschaft. Wir müssen sie jetzt auf die auf eine sich rasch verändernde Arbeitswelt anpassen.

Hier ist die Regierung gefordert! Wir machen Druck!

Die Welt ist im Umbruch – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich.
Aber ich bin überzeugt:

In einer funktionierenden Demokratie kann man das Ruder herumreißen.

Unser Auftrag ist uns Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter klar: 
Wir müssen Solidarität erlebbar machen,
Menschen zusammenführen statt spalten,
und für gute Arbeit und soziale Sicherheit kämpfen.

In diesem Sinne und gerade für heute gilt:

Ihr alle: Mischt euch ein. Macht euch stark für unsere Demokratie und gute Arbeitsbedingungen in den Betrieben
und werbt für Gewerkschaften!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.
Glück auf!
 

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