Rückblick auf den Internationalen Frauentag 2026 in der Region Koblenz

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Volles Haus im Koblenzer Rathaus: Alexandra Zykunov liest zum Internationalen Frauentag

Der Ratssaal im Historischen Rathaus war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Bestsellerautorin Alexandra Zykunov im Rahmen des Internationalen Frauentags zu einer Lesung nach Koblenz kam.

Veranstalterinnen waren die Gleichstellungsstellen der Stadt Koblenz, der Universität Koblenz und der Hochschule Koblenz sowie der DGB-Stadtverband Koblenz und ver.di Mittelrhein.

Meike Baumann moderierte die Veranstaltung als Vertreterin der Stadt. Den ersten starken inhaltlichen Impuls setzte Edith Sauerbier, Gewerkschaftssekretärin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), mit ihrer Begrüßung. Ihr folgte Corinne Schneider von ver.di.

Die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Universität bzw. Hochschule Koblenz, Anne Quander und Dr. Tanja Gnosa, wiesen in ihrem Grußwort darauf hin, dass Frauen in der Lehre nach wie vor unterrepräsentiert seien.

Ingo Schneider, Beigeordneter der Stadt Koblenz, der stellvertretend für den Oberbürgermeister sprach, betonte in seinem Grußwort, die Veranstalterinnen könnten stolz sein: so gut gefüllt sei der Ratssaal nur selten.

Alexandra Zykunov las aus ihrem Buch „Was wollt ihr denn noch alles?“. Mit ihrer direkten, zugleich humorvollen Art brachte sie das Publikum immer wieder zum Lachen, sorgte aber auch für nachdenkliche Momente. Die Journalistin und Autorin ist bekannt dafür, strukturelle Ungleichheiten im Alltag sichtbar zu machen und mit pointierten Beispielen zu unterlegen. So sprach sie etwa über scheinbar kleine Details wie fehlende Haken an Türen in öffentlichen Toiletten. Aus ihrer Sicht ist dies ein Beispiel dafür, wie viele Alltagsräume nicht aus der Perspektive von Frauen geplant sind. Ebenso thematisierte sie die Folgen einer lange Zeit überwiegend an Männern ausgerichteten Medizin und medizinischen Forschung.

Nach der Lesung stellte sich Zykunov den Fragen aus dem Publikum. Die lange Schlange bei der anschließenden Signierstunde zeigte deutlich, wie sehr ihre Ausführungen viele Besucherinnen berührt hatten und wie stark sie sich in ihren Erfahrungen gesehen fühlten.

Über hundert Teilnehmende am 8. März im Kino Neuwied

„Wir freuen uns riesig über die große Beteiligung an unserer Veranstaltung. Der Film „Die Unbeugsamen 2: Guten Morgen, ihr Schönen“ traf wohl wirklich auf Interesse“, sagte Stefanie Stavenhagen, die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neuwied, die die Nachfolge von Birgit Bayer angetreten hatte. Der Film richtete seinen Blick auf die andere Seite des Eisernen Vorhangs und zeigt ein lebendiges Porträt ostdeutscher Frauen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen der DDR. Den beeindruckenden Lebensleistungen ostdeutscher Frauen und ihrem Kampf um Chancengleichheit bietet der Film eine gelungene Bühne. Anhand von Lebensgeschichten von fünfzehn Frauen wird anschaulich dargestellt, wie anstrengend der Kampf um Gleichberechtigung im beruflichen und auch privaten Alltag ist. 

In ihrer Begrüßung wies Edith Sauerbier, Gewerkschaftssekretärin beim Deutschen Gewerkschaftsbund DGB darauf hin, dass bei der anstehenden Landtagswahl jede Stimme zählt und rief die Frauen auf, das zu wählen, was ihnen wichtig ist. Gleichstellungspolitik müsse in allen Bereichen stattfinden: in der Wirtschaftspolitik, der Sozialpolitik und auch in der Finanzpolitik, um Frauen endlich gleichberechtigt vorkommen zu lassen. 

Der Arbeitskreis Internationaler Frauentag Neuwied hatte zu einer gemeinsamen Veranstaltung in das Programmkino Minski in der Schauburg Neuwied eingeladen. Die Veranstaltung begann mit einem kleinen Sektempfang im Foyer und lud zu Austausch und Gesprächen ein. 

Bad Marienberg: Ausstellung über die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Leben von Frauen

Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2026 fand im Foyer der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Marienberg eine Ausstellung statt zum Thema „Alles unter einen Hu!?“. Der Arbeitskreis Internationaler Frauentag im Westerwaldkreis hat sich mit dem Thema „Vereinbarkeit von Frau und Familie, von Arbeit und Absicherung, die Chancen und Risiken junger Menschen mit Lebenslust und Kinderwunsch“ beschäftigt und bot allen Interessierten die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Keksen diese Ausstellung anzuschauen und sich auszutauschen.

Rein rechtlich haben Frauen in Deutschland heute alle Möglichkeiten. Doch sie tragen auch ein großes Risiko, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht erarbeiten und für Krankheit und Alter nicht vorsorgen können. Armutsfallen sind Scheidung oder Trennung mit Kindern sowie Arbeit in schlecht bezahlten „Frauenberufen“, Teilzeitstellen oder sogenannten Minijobs. Mutterschaft und materielle Existenz unter einen Hut zu bringen, bleibt schwierig.

Gerade für junge Menschen ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass vor allem Frauen häufiger in prekäre Lebenssituationen kommen. Die Situation der Frauen ist eine Verteilungsfrage: Frauen übernehmen einen Großteil der unbezahlten Pflegeaufgaben, Kinderversorgung und Hausarbeit. Männer arbeiten überwiegend bezahlt und besser entlohnt. Für deren Alter ist meist besser vorgesorgt. Frauen leisten viel und tragen das erhöhte Risiko, was Stress, soziale Benachteiligung und Armut betrifft.

Eigene Ansprüche und äußere Anforderungen unter einen Hut zu bringen, ist für viele Frauen schwierig. Sie wollen und sollen klug, fleißig, aktiv, verfügbar, gutaussehend und chillig sein. Mit guter Ausbildung, eigenem Einkommen, passendem Partner und guter Performance – kann das gelingen? Darum – und um Rechte, Chancen und Geschlechtergerechtigkeit – geht es in dieser Ausstellung, die noch bis zum 13.03.2026 im Foyer der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Marienberg besichtigt werden kann.

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