Interview mit David Jansen und Marko Seibel, IG Metall
Marko Seibel und David Jansen auf der Azubimesse 2025
Foto: IGM
Marko Seibel, Gewerkschaftssekretär IGM Koblenz
David Jansen, Gewerkschaftssekretär IGM Neuwied
Wie seid ihr zu eurem gewerkschaftlichen Engagement gekommen?
Marko:
Noch während meiner Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Ecobat Resources Braubach habe ich mich über JAV und Betriebsrat gewerkschaftlich engagiert und später den Betriebs- sowie den Konzernbetriebsratsvorsitz übernommen. Vor gut zwei Jahren bin ich als Gewerkschaftssekretär zur IG Metall gewechselt.
David:
Ich habe im Handwerk gelernt und erlebt, dass Beschäftigte in tarifgebundenen Industriebetrieben oft bessere Arbeitsbedingungen haben. Deshalb wurde ich Mitglied der IG Metall. Nach einigen Jahren bei Novelis in Koblenz und gewerkschaftlichem Engagement habe ich die Chance bekommen, selbst als Gewerkschaftssekretär einzusteigen.
Was möchtest du mit deinem gewerkschaftlichen Engagement erreichen?
David:
Ich möchte jungen Menschen vermitteln, wie wichtig Tarifverträge und Mitbestimmung sind. Wer mitmacht, kann seine Arbeitsbedingungen aktiv mitgestalten und profitiert vom Schutz der stärksten Gewerkschaft weltweit.
Marko:
Ich möchte Menschen von den Vorteilen einer Gewerkschaftsmitgliedschaft überzeugen. Tarifverträge, Mitbestimmung, Solidarität und konkrete Unterstützung sind starke Argumente.
Sayner Hütte Bendorf, Industriedenkmal
Foto: David Jansen
Ein konkretes Projekt eurer Arbeit ist die Azubi Messe am 3. September in Bendorf in der Sayner Hütte.
Wie ist es dazu gekommen?
Marko:
Die erste Azubimesse wurde 2023 organisiert, um Jugendlichen nach der Corona-Zeit direkte Kontakte zu Ausbildungsbetrieben zu ermöglichen. Der Erfolg war so groß, dass die Messe seitdem stetig gewachsen ist. Inzwischen beteiligen sich neben der IG Metall auch weitere Gewerkschaften und zahlreiche Betriebe aus unterschiedlichen Industriebereichen.
Was macht die Azubimesse Bendorf-Sayn besonders?
David:
Es nehmen ausschließlich tarifgebundene Betriebe teil, die mit Gewerkschaften zusammenarbeiten. Jugendliche können dort nicht nur mit Personalverantwortlichen sprechen, sondern auch mit Betriebsräten, Ausbilderinnen und Ausbildern. Dadurch erhalten sie einen authentischen Einblick in Ausbildung und Arbeitsalltag.
Die teilnehmenden Unternehmen stehen für gute Ausbildungsbedingungen und bieten damit starke Perspektiven für die Zukunft.
Welche Chancen bietet die Messe Jugendlichen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz?
Marko:
Die Berufswahl ist eine wichtige Entscheidung. Gleichzeitig verändert sich die Arbeitswelt ständig. Viele junge Menschen werden, auch auf Grund der aktuellen politischen Entscheidungen der Bundesregierung, im Laufe ihres Berufslebens mehrfach den Arbeitgeber wechseln und sich weiterqualifizieren müssen.
Die Messe hilft dabei, verschiedene Berufe kennenzulernen, Fragen zu stellen, Kontakte zu knüpfen und Praktika zu vereinbaren.
David:
Hier kann ich eine Erfolgsgeschichte der Messe erzählen: Ich kenne einen Metallbetrieb aus Andernach, der seine letzten beiden Auszubildenden direkt auf der Messe gewinnen konnte. Das zeigt, welche Chancen sich dort eröffnen können.
Worauf sollten junge Menschen bei der Berufswahl achten?
David:
Der Beruf sollte zu den eigenen Interessen passen und Freude machen. Gleichzeitig ist die Bereitschaft wichtig, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Marko:
Ich habe selbst verschiedene Bereiche ausprobiert, bevor ich meinen Weg gefunden habe. Deshalb kann ich nur empfehlen: Praktika und andere Möglichkeiten zu nutzen, um unterschiedliche Berufe kennenzulernen. Schon wenige Tage in einem Betrieb können wertvolle Einblicke geben.
Welche Botschaft möchtet ihr den Besucherinnen und Besuchern mit auf den Weg geben?
David:
Kommt vorbei! Die Messe bietet die Chance unkompliziert mit Betrieben ins Gespräch zu kommen, Praktikumsplätze zu finden und erste Schritte für die Berufswahl zu machen.
Am Nachmittag sind ausdrücklich auch Einzelpersonen, Familien und Freundesgruppen willkommen.
Welche Erfolgsgeschichte ist dir aus den vergangenen Jahren besonders in Erinnerung geblieben?
Marko:
Immer wieder treffe ich junge Beschäftigte in den Betrieben, die mir sagen: „Ihr habt doch die Messe in Sayn gemacht, da war ich.“ Das zeigt, dass die Veranstaltung nachhaltig wirkt und vielen Menschen positiv in Erinnerung bleibt.
Wenn du die Messe in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?
Marko:
Für mich als einer der Organisatoren: aufregend – spannend – erfolgreich.
Aufregend, weil bei der Planung einer solch großen Veranstaltung immer Unvorhergesehenes passiert. Spannend, weil ich in Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Menschen bin. Und erfolgreich, weil wir auch dieses Jahr wieder ca. eintausend Teilnehmende erwarten.
David:
Okay, dann gehe ich auf eine andere Ebene: sozial – gerecht – zukunftsorientiert.
Sozial, weil Jugendliche aus allen gesellschaftlichen Schichten die Möglichkeit bekommen, an der Messe teilnehmen zu können. Gerecht, weil alle das gleiche Angebot für sich nutzen können und jeder die Chance hat sich ins Gespräch zu bringen. Zukunftsorientiert, da sie Angebote für hochwertige Ausbildungen bereitstellt, die eine solide Grundlage für die Zukunft bieten.
Gibt es darüber hinaus noch etwas, dass ihr gerne zur Messe sagen möchtet?
David:
Ich freue mich über die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten und -rätinnen. Ihre Mitwirkung an der Messe macht sie so erfolgreich. Betriebsratsarbeit ist nicht immer leicht und ich ziehe den Hut vor all diesen Kolleginnen und Kollegen, die täglich für gute Arbeitsbedingungen einstehen.
Marko:
Das kann ich nur unterstreichen. Ich bin dankbar für ihre Beteiligung.
Wo siehst du dich in fünf Jahren? Was machst du dann beruflich?
Marko:
Ich bin noch hier und gestalte weiterhin gewerkschaftliche Politik hier in der Region.
David:
Ich bin auch noch hier in der Region und setze mich für faire Arbeitsbedingungen für die Menschen ein.
Marko:
Wir haben in unserem Beruf einfach eine Mischung von Aufgaben, die es nicht langweilig macht. Es ist eine vielseitige Arbeit. Jeder Tag ist anders. Jede Situation braucht etwas anderes, viele Einzelfälle und das macht viele unterschiedliche Lösungen möglich, die einen dann auch erfüllen.
David:
Und es gibt immer wieder Prozesse, die wir gerne unterstützen und wo wir auch Mut machen können: Wenn zum Beispiel eine Kollegin oder Kollege im Betrieb aufsteht und einen Betriebsrat gründen will, dann sind wir natürlich da und gehen den gesamten Weg mit.
Wir leiden zusammen und können uns dann bei einem positiven Ergebnis auch gemeinsam freuen. Es geht um und nur mit den Kolleginnen und Kollegen. Mit ihnen gemeinsam entwickeln wir Wege, Strategien und Lösungen. Das gibt mir jeden Tag die Kraft, mein Bestes zu geben!
Ich danke euch beiden für das Gespräch. Und ich wünsche euch jetzt erstmal alles Gute für die Azubimesse!
Das Gespräch führte Edith Sauerbier, DGB Koblenz
Alle Informationen zur Azubimesse unter www.azubimesse.info