Deutscher Gewerkschaftsbund

17.03.2020

Equal Pay Day 2020

Anlässlich des Equal Pay Days (EPD) am Dienstag, 17. März 2020, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Aufwertung frauentypischer Berufe, eine Stärkung der Tarifbindung und mehr Transparenz der Gehälter.

Dazu stellt DGB-Saar-Regionsgeschäftsführerin Bettina Altesleben fest: „Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich rund ein Fünftel weniger als Männer – trotz jahrelanger Bemühungen um die Gleichstellung am Arbeitsmarkt. Die Gehaltslücke, die bundesweit 21 Prozent und im Saarland sogar 23 Prozent beträgt,  lässt sich zum Teil damit erklären, dass die Entgelte in Berufen mit einem hohen Frauenanteil oft geringer ausfallen als in traditionellen Männerdomänen wie den technischen Berufen. Aber auch wenn Frauen den gleichen Beruf wählen und den gleichen Erfahrungsschatz gesammelt haben, hinkt ihr Gehalt dem der Männer oft deutlich hinterher.“ Diese Analyse wird gestützt durch eine Auswertung von über 57.000 Datensätzen des Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung: Im Fall von Erwerbslosigkeit oder einer Beschäftigung von weniger als 15 Stunden pro Woche sind Frauen deutlich häufiger auf die Unterstützung durch Angehörige angewiesen als Männer (49 zu 30 Prozent). Die Rentenlücke („Gender Pension Gap“) zwischen Frauen und Männern beträgt aktuell 53 Prozent (2015). Zwischen 1992 und 2015 hat sich die geschlechterbezogene Rentenlücke verringert – von 69 auf 53 Prozent, ist im Westen allerdings noch deutlich höher als in den Neuen Bundesländern.

 

Die Gewerkschafterin fordert deshalb mehr Tarifbindung. Altesleben wörtlich: „Gleiches Gehalt für Männer und Frauen –  in Tarifverträgen steckt viel Gleichstellung. Dort, wo Tarifverträge gelten, ist die Lücke um 10 Prozentpunkte kleiner. Sie sind das zentrale Instrument, um Einkommen und Arbeitsbedingungen zu verbessern und machen Löhne für alle transparenter.“ Tarifverträge unterschieden nicht zwischen Männern und Frauen und gelten – von Führungskräften abgesehen – für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in tarifgebundenen Betrieben gleichermaßen. „Außerdem sehen viele Tarifverträge vor, dass Löhne und Gehälter mit wachsender Berufserfahrung automatisch steigen“, betont Altesleben. Dies gelte unabhängig vom Geschlecht und auch für Beschäftigte in Teilzeit. Durch die Vergabe öffentlicher Aufträge an tarifgebundene Unternehmen sowie durch mehr allgemeinverbindlich erklärte Tarifverträge, die damit für die gesamte Branche gelten, könne die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern weiter verringert werden.

Vor dem Hintergrund der Coronavirus-Krise erneuert Altesleben die Forderung nach einer Aufwertung der SAGE-Berufe (Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege, Erziehung und Bildung): „Diese frauentypischen Berufe haben gesellschaftlich eine hohe Relevanz. Das zeigt sich gerade in der aktuellen Pandemie-Krise in den Pflegeberufen. Allerdings wurde versäumt, für gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung zu sorgen und somit Fachkräfte zu sichern. Wir können nur hoffen, dass sich das jetzt nicht rächt“, so Altesleben.

 

Hintergrund: Der Equal Pay Day 2020

Der Equal Pay Day (auf Deutsch etwa: „Tag der gleichen Bezahlung“) markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Die Lohnlücke in Deutschland beträgt nach wie vor 21 Prozent, im Saarland nach Berechnungen der Arbeitskammer aktuell 23 Prozent. Umgerechnet ergeben sich 77 Tage und das Datum des EPD am 17. März 2020. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich in der Schlussgruppe. Nur in Estland ist der Gender Pay Gap noch größer.

 

Link:

https://frauen.dgb.de

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