Deutscher Gewerkschaftsbund

Zur Situation von Frauen in Rheinland-Pfalz

Zur Situation von Frauen in Rheinland-Pfalz 

In Artikel 17 Abs. 3 der Verfassung für Rheinland-Pfalz heißt es: „Frauen und Männer sind gleichberechtigt.“ Doch auch mehr als 64 Jahre nach Inkrafttreten der rheinland-pfälzischen Verfassung ist die Lebenssituation von Frauen und Männern noch immer sehr unterschiedlich.

Auch wenn die Gleichstellung von Frauen aus quantitativer Sicht ständig Fortschritte macht, wie zum Beispiel die steigende Erwerbsquote und der wachsende Bildungsstand belegen, sind viele qualitative Aspekte der Gleichstellung, beispielsweise im Hinblick auf Lohngefälle und geschlechtsspezifische Ausbildung und Arbeitsmarktbeteiligung, noch nicht erreicht.

Wir als DGB fordern deshalb neben einer modernen Gleichstellungspolitik auch ein neues Verständnis von Frauenpolitik.

Um die Situation von Frauen in Rheinland-Pfalz besser beurteilen zu können, werden im Folgenden einigen Zahlen, Daten und Fakten zusammengestellt. Als Quelle dient die Drucksache 15/5287 des rheinland-pfälzischen Landtages vom 29. Dezember 2010.

 

Wie viele Frauen leben in Rheinland-Pfalz?

Insgesamt leben in Rheinland-Pfalz 2 042 010 Frauen (1 968 154 Männer).

 

Wie ist das generelle Bildungsniveau von Mädchen und Frauen im Land?

Die Bildungsabschlüsse werden vom Statistischen Landesamt in einen niedrigen, mittleren und hohen Bildungsabschluss unterteilt.

Im niedrigen Bildungsabschluss sind insgesamt 36,4 Prozent Frauen gegenüber insgesamt 22,7 Prozent der Männer. Den mittleren Bildungsabschluss erlangen 50,7 Prozent der Frauen gegenüber 54,1 Prozent der Männer. Im hohen Bildungssektor liegen 12,4 Prozent der Frauen gegenüber 23,2 Prozent der Männer.

 

Wie hoch ist der Anteil von Frauen in der Hochschulausbildung nach Fächergruppen und welche Entwicklung ist erkennbar?

Insgesamt ist im Beobachtungszeitraum von 2001-2010 eine positive Entwicklung zu beobachten: Die Gesamtzahl der weiblichen Studierenden ist von 49,2 Prozent auf 51 Prozent gestiegen.

In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist eine Erhöhung von 45,9 Prozent auf 50,6 Prozent zu verzeichnen. In der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften ist eine signifikante Erhöhung von 53,3 Prozent auf 63,3 Prozent zu beobachten.

Verringert hat sich der Anteil der weiblichen Studierenden in Sport (2001: 41,7 Prozent, 2010: 28,8 Prozent). Ebenfalls verringert hat sich der prozentuale Anteil bei den Studentinnen der Ingenieurwissenschaften von 29,8 Prozent in 2001 auf 25 Prozent in 2010.

Allerdings hat sich in diesem Zeitraum die Zahl der Studentinnen dennoch jährlich erhöht. So haben 3 322 Frauen im Jahr 2001 Ingenieurwissenschaften studiert, während es im Jahr 2010 absolut 4 065 waren.

Erfreulich ist der deutliche Anstieg des Anteils der Studentinnen in Studiengängen der Mathematik und der Naturwissenschaften von 34,5 Prozent auf 41,1 Prozent.

 

Wie viele Frauen in Rheinland-Pfalz sind im Vergleich zu Männern sozialversicherungspflichtig beschäftigt (aufgeschlüsselt nach Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung)?

Geschlecht

Vollzeit-

beschäftigte

Zahl

Anteil

 

%

Teilzeit-

beschäftigte

Zahl

Anteil

 

%

Insgesamt

Zahl

Anteil

 

%

 

männlich

weiblich

zusammen

617 441

341 050

958 491

 

64,4

35,6

100,0

34 402

207 895

242 297

14,2

85,8

100,0

651 974

549 072

1 201 046

54,3

45,7

100,0

 

Wie viele Frauen sind (im Vergleich zu Männern) in Rheinland-Pfalz geringfügig beschäftigt (aufgeschlüsselt nach „ausschließlich geringfügig entlohnter Beschäftigung“ und „geringfügige Beschäftigung als Nebentätigkeit“)?

In Rheinland-Pfalz waren am 30. Juni 2009 von den 370 402 geringfügig entlohnten Beschäftigten 242 457 (65,5 Prozent) Frauen und 127 945 (34,5 Prozent) Männer.

Von den 255 618 ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten waren 176 649 Frauen (69,1 Prozent) und 78 969 Männer (30,9 Prozent).

Von den 114 784 geringfügig Beschäftigten im Nebenjob waren 65 808 Frauen (57,3 Prozent) und 48 976 Männer (42,7 Prozent).

 

Wie viele Frauen sind in mittelständischen Unternehmen beschäftigt?

Ende 2009 waren in Rheinland-Pfalz 427 618 Frauen (76,5 Prozent) in mittelständischen Betrieben beschäftigt

 

Wo liegen die Beschäftigungsschwerpunkte von Frauen (im Vergleich zu Männern) in Rheinland-Pfalz?

Frauen sind häufiger als Männer im Dienstleistungsbereich tätig. Mehr als ein Drittel der erwerbstätigen Frauen (36,1 Prozent) arbeiteten 2009 im Wirtschaftsbereich „Erziehung, Gesundheit und sonstige öffentliche und private Dienstleister“. Bei den Männern waren es 12,3 Prozent der Erwerbstätigen. Männer sind häufiger im Verarbeitenden Gewerbe tätig als Frauen; 27,6 Prozent der Männer und 12,5 Prozent der Frauen sind hier beschäftigt.

 

Wie hat sich die Erwerbsquote von Frauen sowie von Frauen mit Kindern unter 18 Jahren (wenn möglich aufgeschlüsselt nach dem Alter der Kinder) in Rheinland-Pfalz seit 1991 entwickelt?

Die Erwerbsquote misst den prozentualen Anteil der Erwerbspersonen an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe. Zu den Erwerbspersonenzählen die Erwerbstätigen und die Erwerbslosen.

Die Erwerbsquote von Frauen (gemessen an der weiblichen Bevölkerung) lag im Jahr 2009 bei 44,3 Prozent. Die entsprechende Erwerbsquote der Männer lag bei 56,5 Prozent.

In der erwerbsfähigen Bevölkerung (15 bis unter 65 Jahre) lag die Erwerbsquote der Frauen bei 70,2 Prozent und die Erwerbsquote der Männer bei 83,8 Prozent.

Die Erwerbsquote von Müttern im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 65 Jahre) mit Kindern unter 18 Jahren lag 2009 bei 72 Prozent.

2005 hatte die entsprechende Erwerbsquote bei 68,4 Prozent gelegen. Eine längere Zeitreihe für diese Gruppe sowie eine Differenzierung nach dem Alter der Kinder liegt derzeit nicht vor.

 

Wie hoch ist das durchschnittliche Einkommen von Frauen im Land und welche Entwicklung ist erkennbar, auch im Vergleich zu Männern?

Aus der Übersicht wird deutlich, dass der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst im „Produzierenden Gewerbe“ derzeit bei Männern bei 3 418 Euro und bei Frauen bei 2 748 Euro liegt. Damit verfügen Frauen in diesem Bereich nur über 80 Prozent des Verdienstes der Männer. Im Jahr 2000 lag dieser Wert bei cirka 76 Prozent, der durchschnittliche geschlechtsspezifische Verdienstunterschied hat sich in den letzten zehn Jahren also leicht verringert.

Im Bereich „Dienstleistungen“ verdienen Männer derzeit 3 380 Euro brutto im Monat, Frauen 2 820 Euro. Das entspricht rund 83 Prozent des Verdienstes der Männer. Im Dienstleistungsbereich ist der Vergleich mit den Jahren vor 2007 laut Statistischem Landesamt nicht möglich.

 

Wo liegen die größten Hindernisse für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben sowie für die eigenständige Existenzsicherung durch Erwerbsarbeit?

Die Erwerbsquote von Frauen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen (von 55,8 Prozent im Jahr 1990 auf 70,2 Prozent im Jahr 2009). Dennoch kann noch nicht von einer gleichberechtigten Teilhabe im Erwerbsleben und von einer eigenständigen Existenzsicherung von Frauen durch Erwerbsarbeit gesprochen werden.

Es gibt mehrere Faktoren, die einer gleichberechtigten Teilhabe entgegenstehen: Das traditionelle Rollenleitbild des Mannes als Alleinernährer der Familie hat sich zwar gewandelt, das „Zwei-Erwerbstätigenmodell“ ist aber noch nicht selbstverständlich. In Deutschland ist das „Vollzeit-Teilzeit-Erwerbstätigenmodell“ (modifiziertes Ernährermodell) besonders verbreitet, das Frauen eher die Zuverdienerinnenrolle zuweist.

Deutlich wird das vor allem an dem hohen Anteil von Frauen

– an den Teilzeitbeschäftigten – vor allem an den geringfügig Beschäftigten –,

– am Niedriglohnsektor,

– bei Erwerbsunterbrechungen.

Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer. Würde dieser „Gender-Pay-Gap“ auf das Lebenserwerbseinkommen von Frauen und Männern bezogen, so läge dieser Wert bei 58 Prozent, weil Frauen – über das Leben kumuliert – etwa nur 42 Prozent des Erwerbseinkommens des Mannes erzielen.

So die Aussage von Frau Prof. Dr. Ute Klammer im Rahmen der öffentlichen Expertenanhörung zum „Ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung“ im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages am 7. Juli 2010.

 

Wie hat sich das Berufswahlverhalten von Mädchen in den letzten 20 Jahren entwickelt?

Mädchen und junge Frauen haben – im Gegensatz zu den Jungen – im Schnitt die besseren Schulnoten und qualifiziertere Schulabschlüsse.

Trotzdem entscheiden sie sich im Rahmen ihrer Ausbildungs- und Studienwahl noch immer überproportional häufig für Berufsausbildungen in sogenannten „typischen“ Frauenberufen, wie zum Beispiel Verkäuferin, Einzelhandelskauffrau, Friseurin

oder Medizinische Fachangestellte. Diese Berufe sind vergleichsweise mit geringen Arbeitsmarktchancen, Karriere- und Verdienstmöglichkeiten verbunden.

Aus einem breit gefächerten Angebot von etwa 350 Ausbildungsberufen im dualen System konzentrieren sich mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Mädchen auf nur zehn Ausbildungsberufe. Damit schöpfen junge Frauen ihre Berufsmöglichkeiten nicht aus.

 

Wie wirkt sich das auf die eigenständige Existenzsicherung aus?

Obwohl Mädchen und junge Frauen im Durchschnitt die besseren Schulnoten haben und ihre schulische Ausbildung häufiger als Jungen mit einem qualifizierten Bildungsabschluss (Abitur 56,6 Prozent, Realschule 51 Prozent, Hauptschule 42 Prozent) beenden, setzt sich dieser Trend nicht im Berufsleben fort.

Das gilt auch für die Studienanfängerinnen, die inzwischen mit 52 Prozent an den Universitäten vertreten sind, und für die Hochschulabsolventinnen.

Nach wie vor sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt strukturell benachteiligt:

– Frauen verdienen im Durchschnitt in Rheinland-Pfalz rund 22 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen.

– In Führungspositionen sind Frauen verschwindend gering vertreten.

– Infolge der Unterbrechung durch die Familienphase ist ihr Wiedereinstieg in das Erwerbsleben erheblich erschwert.

– Ein weiterer Aspekt liegt darin begründet, dass sich junge Frauen überproportional für einen sogenannten „typischen“ Frauenberuf entscheiden, was mit Nachteilen verbunden ist:

– Typische Frauenberufe werden schlechter bezahlt und bieten geringere Aufstiegschancen als Berufe, die traditionell vor allem von Männern ausgeübt werden.

– Unterbewertung von frauendominierten Tätigkeiten in tarifrechtlichen und betrieblichen Regelungen und Praktiken (mittelbare Diskriminierung).

– Ungleiche Bezahlung unter gleichen Bedingungen im gleichen Betrieb (unmittelbare Diskriminierung).

Dagegen steht der politische Anspruch nach eigenständiger Existenzsicherung für Frauen.

 

Wie hoch ist in Rheinland-Pfalz der sogenannte „Gender-Pay-Gap“?

In Deutschland beträgt das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern derzeit im Durchschnitt 23 Prozent. Im europäischen (EU-27-) Vergleich bildet Deutschland eines der Schlusslichter: Die Löhne und Gehälter von Frauen und Männern liegen nur in Estland (30,3 Prozent), Österreich (25,5 Prozent), den Niederlanden (23,6 Prozent), Tschechien (23,6 Prozent) und in Zypern (23,1Prozent) noch weiter auseinander.

Der Gender-Pay-Gap in Rheinland-Pfalz lag im Jahr 2009 bei 22 Prozent.

Er stellt den prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen zu dem der Männer dar.

 

Wo liegen die Ursachen für die geschlechtsspezifische Entgeltungleichheit?

Die Ursachen für die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede sind komplex. Im Folgenden werden die wichtigsten Erklärungsansätze im Überblick dargelegt (Bezugsgröße ist die sogenannte „unbereinigte Lohnlücke“):

– In Deutschland gibt es nach wie vor einen geschlechtsspezifischen Arbeitsmarkt, die Beschäftigungsschwerpunkte von Frauen und Männern unterscheiden sich erheblich. Frauen arbeiten vielfach in Wirtschaftszweigen mit niedrigem Verdienstniveau, so zum Beispiel im Einzelhandel oder im Hotel- und Gaststättengewerbe.

– Frauen sind seltener in Führungsfunktionen vertreten, sie haben geringere Chancen bei der beruflichen Förderung und beim Aufstieg.

– Weitere Ursachen sind in der Notwendigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren, begründet:

– Frauen haben weniger Berufsjahre aufgrund familienbedingter Unterbrechungen (in vielen Entgeltsystemen wirken zunehmende Berufsjahre einkommmenssteigernd) sowie eine kürzere Betriebszugehörigkeit, was sich finanziell eher negativ auswirkt.

– Frauen müssen als sogenannte Wiedereinsteigerinnen häufig Einkommenseinbußen in Kauf nehmen, weil sie auf einer niedrigeren hierarchischen Ebene eingestuft werden.

– Frauen verrichten (aufgrund familiärer Verpflichtungen) weniger bezahlte Überstunden und erhalten weniger Zulagen (zum Beispiel für Schichtarbeit) als Männer.

– Darüber hinaus können Arbeitsbewertungsverfahren zu Ungleichbehandlungen führen, indem zum Beispiel Anforderungen, die an frauendominierten Arbeitsplätzen auftreten, nicht oder gering bewertet werden, und Kriterien, die vor allem auf männerdominierte Tätigkeiten zutreffen, einen höheren Stellenwert erhalten.

Im Oktober 2010 hat das Statistische Bundesamt erstmalig einen bereinigten Wert der geschlechtsspezifischen Lohnlücke auf der Basis der Verdienststrukturerhebung 2006 veröffentlicht. Danach sind zwei Drittel des unbereinigten Gender-Pay-Gap in strukturellen Bedingungen – wie oben dargelegt – zu suchen. Nach einer Bereinigung verbleiben noch Verdienstunterschiede von rund acht Prozent, für die es keine Erklärungsansätze gibt.

 

Wie viele Existenzgründungen gab es durch Frauen (im Vergleich zu Männern) und welche Entwicklung ist erkennbar?

Laut Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Landesamtes lag der Anteil weiblicher Gewerbeanmeldungen im Zeitraum vom 2003 bis 2009 mit leichten Schwankungen bei knapp einem Drittel. Im Jahr 2009 haben sich in Rheinland-Pfalz 38 426 Personen

selbstständig gemacht. Darunter befanden sich 12 275 Frauen; dies entspricht einem Frauenanteil von knapp 32 Prozent. Somit ist ungefähr jede dritte an der Neugründung eines Unternehmens beteiligte Person eine Frau.

Während sich im Vergleich zum Vorjahr mehr Männer selbstständig machten, lag die Zahl der an Neugründungen beteiligten Frauen niedriger als im Jahr 2008. Damit wurde der seit 2006 beobachtbare Trend einer steigenden Gründungsbeteiligung von Frauen unterbrochen.

Bundesweit lag der Frauenanteil im Jahr 2009 bei 30,4 Prozent (787 096 Personen, darunter 239 634 Frauen). Im Vergleich zum Vorjahr ist der Frauenanteil bundesweit ebenfalls gesunken (2008: 31,2 Prozent; 755 001 Personen, davon 235 294 Frauen).

Frauen gründen zwar in allen Wirtschaftsbereichen Unternehmen, doch können bei der Wahl des Betätigungsfeldes geschlechtsspezifische Unterschiede beobachtet werden:

Schwerpunkte sind Gründungen im Gesundheits- und Sozialwesen (Frauenanteil unter den neuen Gewerbetreibenden fast 74 Prozent), in den sonstigen Dienstleistungen (rund 72 Prozent), die unter anderem Frisör- und Kosmetiksalons, Wäschereien und chemische Reinigungen sowie Saunas, Solarien und Bäder umfassen, in Erziehung und Unterricht (43 Prozent), im Gastgewerbe (36 Prozent), in den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (fast 35 Prozent) sowie im Handelsbereich (knapp 31 Prozent), wobei Frauen hier besonders im Einzelhandel gründen. Im Bereich „Information und Kommunikation“ lag der Frauenanteil mit knapp 17 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Die geringste Bedeutung hatte die Gründungstätigkeit von Frauen im Baugewerbe mit einem Anteil von knapp sieben Prozent.

 

Wie viele Frauen beziehen ALG II und welche Entwicklung ist erkennbar?

Im August 2010 wurden 88 981 erwerbsfähige hilfebedürftige Frauen in Rheinland-Pfalz in der Statistik der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II der Bundesagentur für Arbeit aufgeführt. Im selben Monat des Vorjahres wurden 89 837 erwerbsfähige hilfebedürftige Frauen registriert. Im August 2008 lag die Zahl der erwerbsfähigen hilfebedürftigen Frauen bei 90 815, 2007 bei 93 515 (Statistik der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II der Bundesagentur für Arbeit, August 2010, Zeitreihe zu Strukturwerten SGB II nach Ländern).

Die Zahl der Frauen, die in Rheinland- Pfalz Arbeitslosengeld II beziehen, ist in den letzten Jahren zwar leicht zurückgegangen, dennoch sind es immer noch zu mehr als der Hälfte Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen.

 

Wie viele davon sind alleinerziehend?

Die Zahl der erwerbsfähigen hilfebedürftigen alleinerziehenden Frauen in Rheinland-Pfalz lag im August 2010 bei 22 603, in den Monaten August 2009 bei 23 006, August 2008 bei 23 553 Frauen und August 2007 bei 23 554 (Statistik der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II der Bundesagentur für Arbeit, August 2010, Zeitreihe zu Strukturwerten SGB II nach Ländern).

 

Wie viele Frauen sind arm bzw. armutsgefährdet und welche Entwicklung ist erkennbar?

Die Armutsgefährdungsquote der Frauen in Rheinland-Pfalz lag 2009 bei 15,3 Prozent und damit leicht über der durchschnittlichen Armutsgefährdungsquote von 14, 2 Prozent.

In den vergangenen Jahren hat sich die Armutsgefährdungsquote der Frauen nicht gravierend geändert. So lag diese 2005 bei 15,1 Prozent, 2006 bei 14,1 Prozent, 2007 bei 14,7 Prozent und 2008 bei 15,8 Prozent.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Armutsrisikoquoten gegenüber stichprobenbedingten Schwankungen des Mittelwertes nicht sehr robust sind und Veränderungen in der Größenordnung von einem Prozentpunkt durch stichprobenbedingte Zufälle beeinflusst sein können.

 

Wie viele Frauen beziehen Sozialhilfe und welche Entwicklung ist erkennbar?

Am 31. Dezember 2008 bezogen in Rheinland-Pfalz 6 394 Frauen Hilfe zum Lebensunterhalt (Drittes Kapitel SGB XII) und 20 023 Frauen Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (Viertes Kapitel SGB XII).

Die Zahl der Empfängerinnen von Hilfe zum Lebensunterhalt ist von 2005 zu 2008 von 3 507 auf 6 394 gestiegen. Der Anstieg bei den Empfängerinnen und Empfängern ist bei dieser Hilfeart jedoch hauptsächlich durch ein verändertes Verhalten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) begründet.

Die Frage der Erwerbsfähigkeit wird heute stärker in den Vordergrund gestellt, sodass mehr Menschen in den Leistungsbezug der Sozialhilfe überführt werden. Der Anstieg bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ist seit Inkrafttreten des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch im Jahr 2005 weniger stark. Während 2005 17 659 Frauen diese Hilfe in Anspruch nehmen mussten, waren es 20 023 im Jahr 2008. Der Anteil der Frauen ist im gleichen Zeitraum von 58,2 Prozent auf 57,7 Prozent gesunken.


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