Deutscher Gewerkschaftsbund

22.01.2019

100 Jahre Frauenwahlrecht

 

Am 19. Januar 1919 fand mit der Wahl der Deutschen Nationalversammlung die erste reichsweite deutsche Wahl statt, bei der Frauen das aktive und passive Wahlrecht besaßen. Dazu erklärt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland:

„Heute genau vor 100 Jahren konnten Frauen zum ersten Mal mitbestimmen, wer das Land mit welchen Inhalten politisch gestaltet. Das war mit Sicherheit ein Meilenstein – aber leider ist die Geschichte immer noch weiterzuschreiben, denn von einer wirklichen Gleichstellung sind wir auch im Jahr 2019 immer noch weit entfernt:

Auch heute noch werden Frauen schlechter bezahlt, auch heute noch leisten sie einen Großteil der Familienarbeit - während Männer nach wie vor die Führungsetagen in Politik und Wirtschaft dominieren. Noch immer haben Frauen schlechtere Aufstiegschancen, das beweist die ‚gläserne Decke‘. Frauen arbeiten häufiger in Minijobs, sie sind schlechter sozial abgesichert und hängen dadurch oft immer noch am Geldbeutel des finanziell besser gestellten Mannes.“

Zwei Dinge beschäftigen Muscheid besonders: „Zum einen gibt es neuerdings politische Gruppierungen, die für ein antiquiertes Familienbild stehen. Diese Leute wollen lieber ein ‚Heimchen am Herd‘, sie wollen keine selbstbestimmten Frauen und schon gar keine Frauen in Chefsesseln. Das aber wäre die politische Rolle rückwärts, die mit uns Gewerkschaften nicht zu machen ist.“

Zum anderen sieht er die Frauen in den Parlamenten unterrepräsentiert: 2017 lag der Männeranteil in den kommunalen Parlamenten in Rheinland-Pfalz bei 82,2 Prozent. Im selben Jahr waren nur 7 Prozent Oberbürgermeisterinnen, nur 12 Prozent Landrätinnen, nur 5,5 Prozent Bürgermeisterinnen in den Verbandsgemeinden und nur 9,6 Prozent Ortsbürgermeisterinnen.

„Wir haben eine Chance, diese miese Quote bei der anstehenden Kommunalwahl zu ändern. Damit Frauen entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung auch in den Parlamenten vertreten sind, müssen die Parteien zum einen mehr Frauen zur Wahl aufstellen, zum anderen müssen diese Frauen aber auch gewählt werden.“

Im Jahr 100 nach dem Frauenwahlrecht sollte die Gesellschaft endlich das Versprechen des Grundgesetzes einlösen: ‚Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin‘, so Muscheid abschließend.


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