Deutscher Gewerkschaftsbund

Zusatzqualifikationen erwerben

Motivierte Azubis, die neben Berufsschule und Betrieb noch Zeit, Energie und Ressourcen zur Verfügung haben, können schon während der Ausbildungszeit zusätzliche berufliche Qualifikationen erwerben.

Warum Zusatzqualifikationen?

Der Erwerb zusätzlicher Qualifikationen über den eigenen Horizont hinaus kann schon während der Ausbildungszeit den Lebenslauf aufbessern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Was viele Auszubildende nicht wissen: In der Datenbank "AusbildungPlus", dem Portal des Bundesinstituts für Berufsbildung, werden derzeit 2.300 Zusatzqualifikationen angeboten, die schon während der Ausbildungszeit oder direkt anschließend absolviert werden können. Sie können die beruflichen Chancen sowie die Karriereaussichten auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern. Von Computerkursen über Auslandsaufenthalte, dem Nachholen von Schulabschlüssen bis hin zu dem Erwerb von zusätzlichen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen gibt es viele Möglichkeiten.

Zusatzqualifikationen richten sich an Auszubildende, die einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf im dualen System erlernen. Sie ergänzen die Ausbildung mit Stoff, der über die Inhalte, die die Ausbildungsordnung vorsieht, hinausgeht. Sie finden entweder parallel statt oder schließen direkt, spätestens aber ein halbes Jahr nach der Prüfung an die abgeschlossene Ausbildung an. Die Anerkennung erfolgt entweder durch einen Bildungsträger, die Kammer oder durch Betriebe. Besonders zertifizierte Weiterbildungen von Kammern haben einen hohen Stellenwert, da sie potenziellen Arbeitgebern bekannt sind. Der Vorteil an den Zusatzqualifikationen ist, dass sie meist an keine bestimmten Voraussetzungen gebunden sind und somit allen Auszubildenden offenstehen.

Einige Qualifikationen sind jedoch an bestimmte schulische Vorbildungen bzw. Leistungen während der Ausbildungszeit oder an Fachqualifikationen, die erst während der Ausbildungszeit erworben werden, gebunden. Diese richten sich an Auszubildende, die sich bereits im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr befinden.

Was gefragt ist

Am beliebtesten sind Qualifikationen, die kaufmännische bzw. betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln. Am häufigs­ten werden solche nachgefragt, die eine anerkannte Fortbildung beinhalten, wie z.B. HandelsassistentIn oder BetriebsassistentIn im Handwerk. Bei dieser Weiterbildung kann bereits während der Ausbildungszeit ein Teil der Meisterprüfung abgelegt werden.

Es steht auch eine Fülle an Zusatzqualifikationen zur Verfügung, die an bestimmte Berufe oder Berufsgruppen geknüpft sind und an aktuelle Arbeitsmarktbedingungen angepasst werden. So gibt es beispielsweise den/die Verlagskaufmann/kauffrau mit Zusatzqualifikation Medienwirtschaft, um auf der Höhe des technologischen Wandels bleiben zu können. Im Technikbereich ist die Zusatzqualifikation Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten sehr beliebt. Vor allem Auszubildende aus dem gewerblich-technischen Bereich sollen durch diese Zusatzkenntnisse ihre Chancen verbessern.

Die Seminare finden je nach Typ am Wochenende oder abends statt - oder ergänzen den Berufsschulunterricht über die "klassischen" Schulfächer hinaus.

Internationale Ausbildung

Im Zuge der Globalisierung werden internationale Zusatzqualifikationen immer wichtiger. Mehr als 80 Prozent der internationalen Qualifikationen betreffen Fremdsprachenkenntnisse. Auch im Bereich des internationalen Managements können fachliche Fremdsprachenkenntnisse erworben werden.
Eine weitere interessante Option: einen Teil der Ausbildung bei einem Partnerbetrieb, in Form eines Praktikums oder an einer beruflichen Schule im Ausland absolvieren. Der Auslandsaufenthalt kann zwischen drei Wochen und sechs Monaten dauern. Hier ist natürlich eine enge Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb notwendig. Die gefragtesten Partnerländer sind derzeit England, Spanien, Frankreich und die Niederlande.

Auf der Seite der zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit findet sich eine gute Übersicht über Möglichkeiten in unterschiedlichen Ländern (www.ba-auslandsvermittlung.de).

Verpasstes nachholen
Unabhängig vom Ausbildungsberuf besteht an der Berufsschule die Möglichkeit, mit erfolgreich absolvierter Ausbildung den qualifizierenden Hauptschulabschluss bzw. die mittlere Reife zu erwerben. Die konkreten Voraussetzungen hierfür sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich geregelt. An einigen Berufsschulen kann auch die Fachhochschulreife bzw. die allgemeine Hochschulreife erworben werden. Für den Erwerb findet ein zusätzlicher Unterricht an der Berufsschule in den allgemeinbildenden Fächern statt.

Der Erwerb von fächerübergreifenden Schlüsselqualifikationen wird immer wichtiger. Damit sind Kompetenzen der Auszubildenden im zwischenmenschlichen Bereich gemeint. Diese "soft skills" werden in Form von Seminaren angeboten.

Zusatzqualifikationen können oftmals teilweise oder ganz auf spätere Fort- und Weiterbildungen angerechnet werden.

Von bleibendem Wert
Der Erwerb von Fachwissen und/oder die Spezialisierung schon während der Ausbildungszeit kann die Chancen bei der Übernahme im Betrieb deutlich steigern. Und engagierte Auszubildende werden natürlich auch gerne im Betrieb gesehen. Falls es mit der Übernahme nicht klappen sollte, sind Zusatzqualifikationen sicher für andere Betriebe interessant.


Weitere Informationen und eine Übersicht über alle angebotenen Zusatzqualifikationen: www.ausbildungplus.de, www.berufenet.de


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten

GUV Fakulta