Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 040 - 11.12.2019
Zu den Kosten der Tarifflucht in Rheinland-Pfalz

Beschäftige und Land müssen Tarifflucht teuer bezahlen

Gerade mal 35 Prozent der Betriebe in Rheinland-Pfalz sind tarifgebunden, im Jahr 2000 waren es noch 52 Prozent. Diese Entwicklung wird von den Beschäftigten und den öffentlichen Kassen teuer bezahlt, erklärt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland:

„Wer in Rheinland-Pfalz oder dem Saarland in einem Betrieb arbeitet, der nicht tarifgebunden ist, verdient monatlich 743 Euro brutto weniger. Das merken die Beschäftigten heute unmittelbar im Geldbeutel und sie merken es morgen beim Blick auf den Rentenbescheid. Für die Beschäftigten in Rheinland-Pfalz bedeutet dies, dass ihnen durch die Tarifflucht jährlich rund 2 Milliarden Euro an Kaufkraft entgehen. Dazu kommt: Wer weniger verdient, zahlt auch weniger Steuern. Für das Land heißt das ganz konkret, dass ihm rund 386 Millionen Euro pro Jahr mehr an Einnahmen zur Verfügung stünden, würden alle Beschäftigten nach Tarif bezahlt.“

Wir sehen auch die Verwaltung in der Pflicht, die Anwendung von Tarifverträgen zu unterstützen. Die Vergaben der öffentlichen Hand summieren sich auf 460 Milliarden Euro im Jahr – das sind rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Davon entfallen etwa 90 Prozent auf die Länder und die kommunale Ebene.

„Die öffentliche Hand hat eine erhebliche Marktmacht, die sie einsetzen muss, um Gute Arbeit zu unterstützen. Wir fordern deshalb, dass öffentliche Aufträge im Land nur noch an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden.“, erklärt Muscheid.

Zum Hintergrund:

Nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) liegt das mittlere Monatseinkommen bei Vollzeit in einem tarifgebundenen Betrieb in Rheinland-Pfalz und dem Saarland bei 3.631 Euro brutto. Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung verdienen monatlich dagegen nur 2.888 Euro brutto, was einem Lohnabstand von 19,3 Prozent entspricht. Zudem müssen die Beschäftigten in Betrieben ohne Tarifbindung im Schnitt 52 Minuten pro Woche länger arbeiten. Zur Jahrtausendwende arbeiteten in Rheinland-Pfalz und dem Saarland noch 72 Prozent der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Betrieb, heute sind es nur noch 61 Prozent.

 


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis