Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 003 - 02.02.2021
Ausbildungsreport 2020

Corona-Pandemie verschärft Situation am Ausbildungsmarkt – alle Betriebe sollen sich an Ausbildung von Fachkräften beteiligen

Der DGB Rheinland-Pfalz / Saarland hat heute seinen Ausbildungsreport Rheinland-Pfalz 2020 veröffentlicht. Inhaltlich beschäftigt sich die zehnte Ausgabe des Ausbildungsreports mit den Folgen der Corona-Pandemie sowie der Mobilitäts- und Wohnsituation der Auszubildenden.

„Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe nimmt seit Jahren stetig ab und die Corona-Pandemie hat die Situation am Ausbildungsmarkt weiter verschärft.“, stellt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland, fest. Insgesamt brach die Zahl neuabgeschlossener Ausbildungsverträge um 8,2 Prozent ein.

„Wir brauchen neue Fachkräfte, um die Herausforderungen der ökologischen und digitalen Transformation meistern zu können. An der Ausbildung neuer Fachkräfte müssen sich alle Betriebe beteiligen, denn alle Betriebe profitieren direkt und indirekt von gut qualifizierten Fachkräften. Wir fordern deshalb eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie und eine noch bessere Begleitung junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf.“, so Muscheid weiter.

„40 Prozent der Auszubildenden können ihren Ausbildungsbetrieb mit öffentlichen Verkehrsmitteln weniger gut oder gar nicht erreichen. Diese Zahlen haben sich seit 2014 sogar deutlich verschlechtert. Wir fordern deshalb dringend in das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs zu investieren und ein landesweites Azubi-Ticket für 365 Euro pro Jahr einzuführen.“, fordert Hannah Meuler, Gewerkschaftssekretärin in der Abteilung Jugend und Jugendpolitik.

Ein Umzug in die Nähe der Ausbildungsstelle ist jedoch nur für die wenigsten Auszubildenden zu realisieren. Zwar äußern rund zwei Drittel (64,7 %) der Befragten den Wunsch, in einer eigenen Wohnung zu leben, jedoch nur 18,6 Prozent der Befragten konnten diesen Wunsch bereits verwirklichen und leben bereits in einer eigenen Wohnung. Um junge Menschen in der Ausbildung unabhängiger vom Geldbeutel der Eltern zu machen, fordert die DGB-Jugend, aber auch die Allianz für Aus- und Weiterbildung sowie der Westdeutsche Handwerkskammertag, mehr Wohnheimplätze für Auszubildende zu schaffen, wie sie auch Studierenden zur Verfügung stehen.

Weitere Ergebnisse des Ausbildungsreports 2020:

Seit 2011 hat sich der Anteil der Auszubildenden, die eine Ausbildungsvergütung von mehr als 750 Euro pro Monat erhalten, von 16,7 Prozent auf 61,7 Prozent im Jahr 2020 erhöht. Im Durchschnitt über alle drei Ausbildungsjahre hinweg gerechnet, betrug die Ausbildungsvergütung im Jahr 2020 820 Euro pro Monat.

69,9 Prozent der Auszubildenden gaben an, mit der eigenen Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Dies ist ein hoher Wert, der im Jahr 2012 aber auch schon mal bei 75,5 Prozent lag. Als Ursachen für Unzufriedenheit werden u.a. Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz und das Berufsbildungsgesetz, eine nicht ausreichende Betreuung durch den oder die Ausbilder*innen oder die häufige Übertragung ausbildungsfremder Tätigkeiten genannt.

Das Ausmaß an ausbildungsfremden Tätigkeiten ist ein Problem, das der Ausbildungsreport seit 2011 immer wieder anspricht. 2020 gaben 37,8 Prozent der Auszubildenden an, dass sie immer, häufig oder manchmal ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen müssen. Im Jahr 2011 waren es noch 32,3 Prozent. Zu den ausbildungsfremden Tätigkeiten gehören beispielsweise private Erledigungen für den Chef und andere Aufgaben, die nicht Teil des Ausbildungsplans sind.

Rund zwei Drittel der Auszubildenden gaben an, nicht zu wissen, ob sie nach der Ausbildung im Betrieb übernommen werden.

Für den Ausbildungsreport wurden 1.128 Auszubildende aus 19 der 25 meistfrequentierten Ausbildungsberufe befragt. Er stellt damit eine repräsentative Bewertung der Ausbildungssituation in Rheinland-Pfalz dar.

Den Ausbildungsreport Rheinland-Pfalz 2020 können Sie hier herunterladen: Download


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