Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 024 - 04.06.2021
Ausbildungssituation in der Pandemie

Muscheid: „Die Ausbildungskrise darf nicht zur Fachkräftekatastrophe werden!“

Es zeichnet sich eine dramatische Situation am Ausbildungsmarkt ab. Bereits im vergangenen Corona-Jahr ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge bundesweit erstmalig seit der Deutschen Einheit unter die Marke von 500.000 gefallen. In Rheinland-Pfalz standen 2020 37.053 Ausbildungsinteressierte 26.412 angebotenen Ausbildungsplätzen gegenüber. 63,9% der Ausbildungsinteressierten mündeten tatsächlich in eine Berufsausbildung, 10,6% der Ausbildungsstellen blieben unbesetzt.

In der Pandemie ist es für junge Menschen besonders schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden. Praktika und Ausbildungsmessen können ebenso wenig stattfinden, wie die Berufsberatung in den Schulen. Diese Situation verunsichert viele Schülerinnen und Schüler, weshalb sich aktuell noch mehr als bisher dafür entscheiden, das (Fach-)Abitur zu machen oder ein Studium zu beginnen.

„Wenn die Schülerinnen und Schüler sich noch häufiger für ein Studium entscheiden und gleichzeitig die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe immer weiter abnimmt, dann ist das eine Entwicklung, mit der wir den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften nicht werden decken können. Das ist eine dramatische Situation für die Auszubildenden, aber auch für alle Betriebe.“, stellt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland, fest.

Bereits vor der Pandemie nahm die Ausbildungsbereitschaft kontinuierlich ab, im Jahr 2019 bildeten nur noch etwas mehr als 21 Prozent der Betriebe in Rheinland-Pfalz aus.

„Die Situation ist heute noch ernster als nach der Finanzkrise 2008/2009, von der sich der Ausbildungsmarkt auch in den folgenden mehr als zehn Jahren wirtschaftlichen Wachstums nicht vollständig erholen konnte. Die Ausbildungskrise darf nicht zur Fachkräftekatastrophe werden! Wir brauchen deshalb ganz dringend einen Ausbildungsgipfel der Landesregierung, um Maßnahmen zu beschließen, mit denen die Auszubildenden und die Betriebe unterstützt werden.“, fordert Muscheid.

Es müssen nun Wege gefunden werden, um die Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen zu erreichen. „Sie brauchen Angebote zur Berufsberatung und es muss ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass der Weg an die Hochschule auch über die duale Ausbildung möglich ist.“, fordert Muscheid weiter. Auch die Möglichkeit zur Nachvermittlung, also das Beginnen einer Ausbildung im laufenden Ausbildungsjahr, gelte es mit gezielten Aktionen noch stärker zu bewerben.

Die Betriebe brauchen ebenfalls Unterstützung bei der Ausbildung. Hier gilt es die Verbundausbildung noch bekannter zu machen, bei der sich Betriebe zusammenschließen, um gemeinsam Ausbildungsangebote zu organisieren. Auch die assistierte Ausbildung bietet Betrieben die nötige Unterstützung, um Ausbildungsinteressierten eine Ausbildung zu ermöglichen, die auf den ersten Blick nicht als geeignet erscheinen. Das Land hätte zudem die Möglichkeit, die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe als soziales Kriterium bei der öffentlichen Auftragsvergabe zu  definieren, um Anreize für die Ausbildung zu schaffen.

Auch die Gewerkschaften sind in dieser Notsituation bereit, das Instrument der schulischen Ausbildung mitzutragen. „Wir sind davon überzeugt, dass die duale Ausbildung im Betrieb immer zu präferieren ist, da sie die besten Voraussetzungen für eine gute Ausbildung bietet. Doch unter den besonderen Umständen der Pandemie unterstützen wir auch die Möglichkeit, das erste Ausbildungsjahr außerbetrieblich an einer berufsbildenden Schule zu absolvieren. Es muss jedoch alles dafür getan werden, dass diese Auszubildenden ihre Ausbildung im zweiten Ausbildungsjahr in einem Betrieb fortführen können.“, so Muscheid weiter.   

Wir brauchen zudem mehr echte Jugendberufsagenturen im Land, bei denen die betroffenen jungen Menschen die Hilfe aller Rechtskreise physisch unter einem Dach finden. Das bedeutet auch, dass die Kommunen mit den notwendigen Mitteln ausgestattet werden müssen, um die Jugendhilfe auskömmlich budgetieren zu können.


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