Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 009 - 07.04.2024

Ausbilden, um Fachkräfteengpässe zu beheben

Auch junge Menschen ohne Berufsabschluss in Ausbildung bringen

Auszubildende

DGB/bialasiewicz/123RF.com

2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren waren im Jahr 2022 ohne Berufsabschluss. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, über die das „Handelsblatt“ zuerst berichtete, lösten eine Debatte über den Zustand unseres dualen Ausbildungssystems aus.

In einem Artikel der Rhein-Zeitung verweist der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz darauf, dass allein in deren Lehrstellenbörse 650 freie Ausbildungsplätze zu finden seien, es aber keine Bewerber*innen gäbe.

„Wie kann es sein, dass die Betriebe über Fachkräfteengpässe klagen, es auf der anderen Seite aber allein in Rheinland-Pfalz über 140.000 junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren gibt, die keinen Berufsabschluss haben?“, so Susanne Wingertszahn, Vorsitzende des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland. Da liege großes Potential, Fachkräfteengpässe zu beheben.

Die Betriebe vermittelten den Eindruck, es gäbe genügend Ausbildungsplätze und dass die Bewerber*innen oft nicht qualifiziert genug seien. „Das wirkt demotivierend für junge Menschen. Die Zahl der offenen Stellen sagt nichts über die Realität am Ausbildungsmarkt aus“, so Wingertszahn.

„Es darf keine Bestenauslese geben und niemand darf auf der Strecke bleiben. Manche Menschen brauchen eine zweite Chance und es müssen auch Bewerber*innen eine Chance erhalten, die vielleicht etwas mehr Betreuung brauchen und keine Einser-Schüler sind“, so Wingertszahn.

Oft seien Stellen in Branchen unbesetzt, in denen die Ausbildungsbedingungen schlecht seien. „Wenn jemand Chemikant* in Ludwigshafen werden möchte, interessiert er sich nicht für eine offene Stelle in einem Handwerksbetrieb in Koblenz“, sagt Wingertszahn. Der Ausbildungsreport des DGB zeige immer wieder, dass mehr in die Qualität der Ausbildung und Ausbilder investiert werden müsse.

An den Lösungen für die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt müsse man gemeinsam arbeiten, mit Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Kammern und Politik. Es brauche eine echte Ausbildungsplatzgarantie, eine angemessene Ausbildungsmindestvergütung, ein Azubiticket und bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende. „Um unser duales Ausbildungssystem werden wir weltweit beneidet. Aber es muss uns auch etwas wert sein und wir müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Investitionen in die Ausbildung sind Investitionen, um Fachkräfteengpässe zu beseitigen“, so Wingertszahn.


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