Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 026 - 14.05.2020

Ausbildung: DGB warnt vor dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise - Muscheid fordert Solidarität der Betriebe

Mitten in der Corona-Krise kann heute niemand die wirtschaftlichen Folgen genau abschätzen. Mit mehr als 30.000 Betrieben in Kurzarbeit alleine in Rheinland-Pfalz zeichnen sich jedoch gerade im Bereich der Ausbildung bereits Entwicklungen ab, auf die es zu reagieren gilt, mahnt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland:

„Das System der dualen Berufsausbildung war auch ohne das Virus schon ein Fall für die Intensivstation. Es krankt daran, dass die Betriebe einerseits immer lauter über einen Mangel an Fachkräften klagen, aber sich andererseits immer mehr Unternehmen ihrer Verantwortung entziehen, neue Fachkräfte auszubilden. Im Jahr 2012 haben noch 24,3 Prozent aller Betriebe ausgebildet, im Jahr 2018 waren es dagegen nur noch 21,9 Prozent. Es ist zu befürchten, dass diese Zahl im Zuge der Corona-Krise noch weiter drastisch sinken wird und bestehende Ausbildungsverträge aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten gekündigt werden. Diese Fachkräfte werden uns in den kommenden Jahren schmerzlich fehlen.“

Im vergangenen Jahr blieben laut Bundesagentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz 1133 Ausbildungssuchende unversorgt. Weitere 2859 haben sich für eine – in der Regel schlechtere – Alternative entschieden und beispielsweise ein Praktikum angetreten, obwohl sie eine Ausbildung beginnen wollten.

Zur beschriebenen Situation kommen nun die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die bereits am Ausbildungsmarkt bemerkbar werden. Wie der SWR unter Berufung auf Zahlen der Industrie- und Handelskammer meldet, haben die Betriebe im Land deutlich weniger Ausbildungsverträge für das kommende Lehrjahr abgeschlossen. Demnach seien im Land bis Ende April etwa 6.600 Ausbildungsverträge geschlossen worden, im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als 8.000. Das entspricht einem Rückgang um rund 18 Prozent.

„Wenn sich die Situation am Ausbildungsmarkt weiter zuspitzt, dann trifft das insbesondere Haupt- und Realschüler, denen der Zugang zum Arbeitsmarkt massiv erschwert wird. Bereits vor der Krise hatten wir fast 80.000 junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren im Land, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Wenn Sie Arbeit finden, dann sind das ungelernte Tätigkeiten, bei denen sie wenig verdienen, schlecht für das Alter vorsorgen können und die nur wenig Perspektive im digitalen Umbruch der Arbeitswelt bieten.“, mahnt Muscheid.

Ausbildung muss betrieblich bleiben. Um Rückgänge auf dem Ausbildungsmarkt in der Corona-Krise aufzufangen, fordert Dietmar Muscheid einen Zukunftsfonds für Ausbildung:

„Dieser Fonds sollte betrieblich finanziert werden, denn die Unternehmen haben selbst ein großes Interesse daran, dass sie auch morgen noch die Fachkräfte finden, die sie benötigen. Starke Betriebe müssen die schwächeren Betriebe unterstützen. Die ausbildenden Betriebe brauchen die Solidarität der Betriebe, die nicht ausbilden können oder wollen. Betriebe, die Auszubildende von insolventen Mitbewerbern übernehmen, können bei der Investitions- und Strukturbank bereits eine Prämie von 2.500 Euro beantragen. Wir begrüßen, dass es dieses Angebot gibt, doch es wird größere Anstrengungen brauchen, um alle Auszubildenden aufzufangen, die ihren Ausbildungsplatz aufgrund der Corona-Pandemie verlieren werden. So sollten beispielsweise Betriebe aus dem Zukunftsfonds unterstützt werden, die Auszubildende übernehmen, denen aus betriebswirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde. Auch die Politik ist gefordert, um jeden Ausbildungsplatz zu kämpfen. Hier wünschen wir uns ein Sonderprogramm für Ausbildungsplätze, die im ersten Jahr auch außerbetrieblich organisiert werden können, sollte es die Krisensituation nicht anders zulassen. Voraussetzung dafür wäre aber eine Zusage der Wirtschaft, die Auszubildenden dann spätestens im zweiten Jahr in die Ausbildung zu übernehmen und die außerbetriebliche Ausbildungsphase anzuerkennen.“

Positive Beispiele im Umgang mit der Corona-Krise in der Ausbildung zeigen sich in mitbestimmten Betrieben. Hier werden Alternativen zum gewohnten Ausbildungsablauf gesucht, wie eine Befragung der IG Metall zeigt. So berichten rund 36 Prozent der befragten Auszubildenden, dass in ihren Betrieben Maßnahmen ergriffen wurden, um die Anwesenheit der Auszubildenden im Betrieb zu reduzieren. In diesen Betrieben wird die Ausbildung beispielsweise stärker in die Ausbildungswerkstätten verlegt. Viele Auszubildende befinden sich auch im Homeoffice. So gibt rund ein Drittel der Befragten an, dass die Ausbildung größtenteils über Videounterricht und mobiles Arbeiten stattfinde.


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