Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 013 - 16.03.2020

Equal Pay Day

Auch im Jahr 2020 verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich rund ein Fünftel weniger als Männer. Anlässlich des Equal Pay Days (EPD) fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Rheinland-Pfalz / Saarland deshalb eine Aufwertung frauendominierter Berufe, eine Stärkung der Tarifbindung und mehr Transparenz bei den Gehältern.

 

Die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus verdeutlicht uns gerade, welch große Relevanz den SAGE-Berufen (Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege, Erziehung und Bildung) in unserer Gesellschaft zukommt. Leider wurde es in diesen frauendominierten Berufen bisher versäumt, für eine faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen zu sorgen, um damit auch Fachkräfte zu sichern. Das rächt sich jetzt, eine Aufwertung dieser Berufe ist dringend notwendig!

 

Selbst wenn Frauen den gleichen Beruf wählen und den gleichen Erfahrungsschatz mitbringen, hinkt ihr Gehalt dem der Männer oft deutlich hinterher. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von über 57.000 Datensätzen des Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird.

 

Besonders groß ist die Lücke im Beruf der Filial- oder Verkaufsstellenleiter/in. Hier verdienen Männer mit 10 Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 3.220 Euro brutto im Monat, Frauen hingegen nur 2.640 Euro (jeweils für eine 38-Stundenwoche, ohne Sonderzahlungen), was einem Lohnunterschied von 18 Prozent entspricht.

 

Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland, fordert mehr Tarifbindung: „Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Und wir beobachten: Dort, wo Tarifverträge gelten, ist die Lücke zwischen den Gehältern um 10 Prozentpunkte kleiner. Die Tarifbindung ist damit ein zentrales Instrument, um Einkommen und Arbeitsbedingungen zu verbessern und Löhne für alle transparenter zu machen.“

 

In Rheinland-Pfalz und dem Saarland profitieren mit 59 Prozent aller weiblichen Beschäftigten überdurchschnittlich viele Frauen von einem Tarifvertrag (Vgl. Deutschland 54 Prozent).[1]

Muscheid fordert die Politik auf, die Tarifbindung noch weiter zu stärken. Durch die Vergabe öffentlicher Aufträge an tarifgebundene Unternehmen und mehr allgemeinverbindlich erklärte Tarifverträge, die damit für die gesamte Branche gelten, kann die Lohnlücke zwischen Frauen und Männer weiter verringert werden.

 

Das Entgelttransparenzgesetz greift in Rheinland-Pfalz und dem Saarland fast gar nicht. „Das, was bisher durch das Entgelttransparenzgesetz in Deutschland passiert, ist viel zu wenig. Der rechtliche Rahmen dieses Gesetzes ist so eng gesetzt, dass bisher kaum positive Auswirkungen in der Praxis zu beobachten sind. Es müssen mehr Frauen ein Auskunftsrecht erhalten – nicht nur in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. Ein echter Beitrag zur besseren Gleichstellung wäre auch die derzeit diskutierte Einführung einer Quote in Vorständen von Unternehmen.“, so Muscheid weiter

 

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Die Lohnlücke in Deutschland beträgt nach wie vor 21 Prozent. Umgerechnet ergeben sich 77 Tage und das Datum des EPD am 17. März 2020. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich in der Schlussgruppe. Nur in Estland ist der Gender Pay Gap noch größer.



[1] Lübker, M./Schulten, T. (2019): Tarifbindung in den Bundesländern. Entwicklungslinien und Auswirkungen auf die Beschäftigten. WSI, Düsseldorf


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