Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 029 - 12.06.2020

Ausbildung auf 20-Jahres-Tief

Wie das Statistische Landesamt meldet, lag die Zahl der Auszubildenden in Rheinland-Pfalz im Jahr 2019 36 Prozent unterhalb der Zahl von 1999. Die Auswirkungen der Corona-Krise kommen zu dieser dramatischen Entwicklung noch dazu, mahnt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland:

„Die Situation der dualen Berufsausbildung war auch vor Corona bereits besorgniserregend. Einerseits klagen die Betriebe immer lauter über einen Mangel an Fachkräften, aber andererseits entziehen sich immer mehr Unternehmen ihrer Verantwortung, neue Fachkräfte auszubilden. Im Jahr 2012 haben noch 24,3 Prozent aller Betriebe ausgebildet, im Jahr 2018 waren es dagegen nur noch 21,9 Prozent. Im vergangenen Jahr blieben laut Bundesagentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz 1133 Ausbildungssuchende unversorgt. Weitere 2859 haben sich für eine – in der Regel schlechtere – Alternative entschieden und beispielsweise ein Praktikum angetreten, obwohl sie eine Ausbildung beginnen wollten. Die Effekte der Corona-Krise werden die Situation weiter verschärfen und diese Fachkräfte werden uns in den kommenden Jahren schmerzlich fehlen.“

Eine weitere Zuspitzung der Situation am Ausbildungsmarkt könnte insbesondere Haupt- und Realschüler treffen, denen der Zugang zum Arbeitsmarkt massiv erschwert werden könnte, befürchtet Muscheid:

„Bereits vor der Corona-Krise hatten wir in Rheinland-Pfalz rund 80.000 junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Wenn Sie Arbeit finden, dann sind das ungelernte Tätigkeiten, bei denen sie wenig verdienen, schlecht für das Alter vorsorgen können und die nur wenig Perspektive im digitalen Umbruch der Arbeitswelt bieten.“

Ausbildung muss betrieblich bleiben. Um die Rückgänge auf dem Ausbildungsmarkt in der Corona-Krise aufzufangen, fordert Dietmar Muscheid einen betrieblich finanzierten Zukunftsfonds für Ausbildung:

„Die ausbildenden Betriebe brauchen die Solidarität der Betriebe, die nicht ausbilden können oder wollen. Betriebe, die Auszubildende von insolventen Mitbewerbern übernehmen, können bei der Investitions- und Strukturbank bereits eine Prämie von 2.500 Euro beantragen. Wir begrüßen, dass es dieses Angebot gibt, doch es wird größere Anstrengungen brauchen, um alle Auszubildenden aufzufangen, die ihren Ausbildungsplatz aufgrund der Corona-Pandemie verlieren werden. So sollten beispielsweise Betriebe aus dem Zukunftsfonds unterstützt werden, die Auszubildende übernehmen, denen aus betriebswirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde. Auch die Politik ist gefordert, um jeden Ausbildungsplatz zu kämpfen. Hier wünschen wir uns ein Sonderprogramm für Ausbildungsplätze, die im ersten Jahr auch außerbetrieblich organisiert werden können, sollte es die Krisensituation nicht anders zulassen. Voraussetzung dafür wäre aber eine Zusage der Wirtschaft, die Auszubildenden dann spätestens im zweiten Jahr in die Ausbildung zu übernehmen und die außerbetriebliche Ausbildungsphase anzuerkennen.“


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