Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 006 - 05.02.2019
Beschäftigungszahlen: Zuwachs fast ausschließlich bei prekärer und aty-pischer Beschäftigung

Entwicklung der prekären und atypischer Beschäftigung

Der DGB Rheinland-Pfalz / Saarland hat heute eine Analyse zur Entwicklung der prekären und atypischen Beschäftigung in Rheinland-Pfalz präsentiert. Nachdem zahlreiche öffentlich zugängliche Daten aus den Jahren 2007 bis 2017 zusammengetragen und ausgewertet wurden, stellte Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland, fest:

 

„Der Zuwachs in den Beschäftigungszahlen der vergangenen Jahre geht fast ausschließlich auf einen Anstieg der prekären und atypischen Beschäftigung zurück.“

 

Während die Zahl der Beschäftigten im Normalarbeitsverhältnis zwischen 2007 (926.000) und 2017 (951.000) nahezu stabil geblieben ist, stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten im selben Zeitraum von 241.000 auf knapp 400.000. Ein starker Zuwachs von 26.000 Beschäftigten im Jahr 2007 auf 43.000 im Jahr 2017 ist auch bei den Leiharbeiter*innen zu verzeichnen. Eine konstante Größe ist dagegen die Anzahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten. Sie blieb mit 275.000 Beschäftigten im Jahr 2007 gegenüber 271.000 Beschäftigten im Jahr 2017 nahezu unverändert.

 

„Trotz brummender Konjunktur ist jeder sechste Beschäftigte ausschließlich geringfügig beschäftigt. Auch die Zahl der geringfügig Beschäftigten im Nebenjob ist um mehr als 50 Prozent gestiegen. Diese Zahlen beweisen, dass der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre bei zu vielen Beschäftigten nicht angekommen ist. Maßgeblich mitverantwortlich dafür ist die sinkende Zahl tarifgebundener Betriebe. Die Unternehmerverbände können nicht einerseits den Wert der Tarifpartnerschaft in Reden loben und gleichzeitig Mitgliedschaften ohne Tarifbindung anbieten – das ist scheinheilig! Heute unterliegen in Rheinland-Pfalz 43% aller Beschäftigten nicht der Tarifbindung. Damit sind diese Beschäftigten dem Kräftespiel der freien Wirtschaft ausgeliefert, hier muss die Politik dringend mehr für gute Arbeit und faire Bezahlung tun!“, forderte Muscheid.

 

Als konkrete Maßnahmen nannte er die Ausweitung der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen und dass öffentliche Aufträge nur an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden sollten. „Nicht zuletzt geht es darum, die sachgrundlose Befristung abzuschaffen.“, ergänzte Muscheid mit Verweis darauf, dass die Zahl sachgrundloser Befristungen in Rheinland-Pfalz zwischen den Jahren 2012 und 2017 von 52.000 auf mindestens 83.000 gestiegen ist. 

Zum Hintergrund:

Die Gruppe der atypisch Beschäftigten setzt sich zusammen aus sozialversicherungspflichtig Teilzeitbeschäftigten, geringfügig Beschäftigten, befristeten Beschäftigten, Solo-Selbstständigen und Leiharbeitsbeschäftigten. Atypische Beschäftigung lässt sich am formalen Status am Arbeitsmarkt fest machen.

Die Merkmale prekärer Beschäftigung sind niedriges Einkommen, mangelnde soziale Absicherung und Arbeitsplatzunsicherheit. Diese können bei atypisch Beschäftigten vorliegen. Nicht jede atypische Beschäftigung ist jedoch per se eine prekäre Beschäftigung. Besonders kritisch wird prekäre Beschäftigung, wenn mehrere der Merkmale über längere Zeit gemeinsam auftreten.

 

 

 

 


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis