Deutscher Gewerkschaftsbund

16.04.2024

MAN Truck & Bus SE in Wittlich

MAN

Jürgen Elsen

Ausgangssituation


Die Kolleg*innen in den Rettungswachen wollten den Schichtdienst nach gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen gesünder gestalten. Ziel war es, besonders älteren Arbeitnehmer*innen eine alternsgerechte Ausgestaltung des Schichtdienstes zu ermöglichen.

Projekt

Der Schock der plötzlichen Ankündigung zur Schließung des Werkes in Wittlich saß tief, da der Standort immer Gewinne geschrieben hatte. Das Unternehmen musste daraufhin überzeugt werden, den Beschluss über die Schließung des Standortes rückgängig zu machen und in eine Zukunft zu investieren. Das gelang dem Betriebsrat mit kühlem Kopf, der Hilfe des Gesamtbetriebsrats, der örtlichen IG Metall und einer erarbeiteten Strategie. Es wurde tarifvertraglich der Erhalt des Standortes Wittlich mit 85 Mitarbeitern bis mind. 2026 (mit guter Prognose bis 2031) erkämpft sowie die Zusage weiter über Bedarf ausbilden zu können.

Vorgehensweise

Durchführung von Aktionen, Erhöhung des Organisationsgrads und Ausschöpfung aller betriebsverfassungsrechtlichen und tariflichen Möglichkeiten (Aktionstage, Warnstreiks, etc.) mit Unterstützung der örtlichen IG Metall
Trotz des Verbots einiger Vorgesetzter örtliche Akteure und die Presse einzubinden, wurde Kontakt zu lokalen wie regionalen Vertreter*innen der Politik, den Kammern und zur Landesregierung aufgenommen. Die Akteure erfuhren eine breite Unterstützung.
Einbindung der Belegschaft (Betriebsversammlungen u. a. mit dem Gründer der Modifikation, Gerd Becker)
Ausarbeitung eines Zukunftskonzeptes für den Standort Wittlich mit Analyse von Schwachstellen und Verbesserungspotentialen
begleitende Öffentlichkeitsarbeit über die Presse
Protestkundgebungen vor dem Werktor unterstützt durch lokale Betriebsräte

„Ein hervorragendes Beispiel für einen kleinen Betrieb ohne freigestellten Betriebsrat, der es geschafft hat, durch Aktivierung der Belegschaft, Erhöhung des Organisationsgrades und eine breite Presse- und Öffentlichkeitsarbeit die Schließung des Standortes Wittlich zu verhindern. Nach dem Motto „Nur gemeinsam sind wir stark“ haben sie eine effektive Vernetzung mit Gewerkschaft, Politik und Öffentlichkeit erreicht und damit eine Zukunftsperspektive für die Beschäftigten geschaffen. Dies zeigt, dass es sich lohnt, Mitbestimmung und Gewerkschaftsrechte offensiv zu nutzen.“


Dr. Johanna Wenckebach
Wissenschaftliche Direktorin des Hugo Sinzheimer Instituts (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung


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