Deutscher Gewerkschaftsbund

15.01.2021

Für ein zukunftsfestes Bildungs- und Ausbildungssystem

Dr. Ehsan Braner, Abteilungsleiter öffentlicher Dienst, Beamten- und Hochschulpolitik über die Forderungen zur Landtagswahl RLP 2021 zum Thema Bildung (Video erstellt mit Canva)

Julia Kaffai, Abteilungsleiterin Berufliche Bildung über Forderungen zur Landtagswahl RLP 2021 zum Thema Ausbildung (Video erstellt mit Canva)

Gute Bildung prägt die Lebens- und Berufsperspektiven der Menschen. Dazu braucht es ein modernes und zukunftsfestes Bildungssystem von der Kindertagesstätte bis zur Weiterbildung, das Chancengleichheit garantiert, leistungsfähig ist und allen Menschen Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht.

Die duale Ausbildung ist ein Fundament unseres wirtschaftlich erfolgreichen Rheinland-Pfalz. Sie ist ein Erfolgsmodell und hat in ganz Europa Vorbildfunktion. Allerdings ist die Zahl der Jugendlichen ohne Schul- und Berufsabschluss auch in Rheinland-Pfalz mit ca. 85.000 erschreckend hoch. Zu wenige Bewerber*innen beginnen eine duale Ausbildung, zu viele landen in Warteschleifen und müssen sich mit oftmals schlechten Alternativen zufrieden geben. Zu wenige Unternehmen in Rheinland-Pfalz bilden aus. Durch die Corona-Krise verschlechtert sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt.

Wie wollen Sie das Bildungs- und Ausbildungssystem zukunftsfest machen?

  • Bündnis 90/Die Grünen

    Gute Bildung bedeutet für uns GRÜNE, alle Menschen mit ihren Stärken und Schwächen gleichermaßen zu fördern und zwar unabhängig vom Einkommen und sozialer Herkunft. Mit uns bleibt Bildung von der Kita bis zum Master kostenfrei.

    Wir setzen bei den Kleinsten an und sorgen für einen besseren Betreuungsschlüssel in den Kitas und kleinere Gruppen. So entlasten wir auch die Fachkräfte bei ihrer Arbeit, die wir von Beginn der Ausbildung an finanziell besserstellen.

    Ganztagsschulen bieten Raum und Zeit für mehr individuelle Förderung und helfen Familie und Beruf besser zu vereinen. Deshalb wollen wir die Ganztagsangebote wohnortnah und flächendeckend ausbauen, gerade an den Grundschulen.

    Schulen wollen wir ermöglichen, Lerngruppen zu verkleinern und Doppelbesetzungen zu realisieren. Wir streben ein Stufenlehramt an, in dem allein nach dem Alter der Schüler*innen unterschieden wird. Ein Schritt hin zu einem einheitlichen Einstiegsgehalt für Lehrkräfte. Wir wollen Schulen mehr Eigenverantwortung und Personalautonomie geben: Schulen sollten künftig Gelder zur Verfügung gestellt bekommen, beispielsweise um Schulsozialarbeiter*innen einzustellen. Im Sinne einer gesunden Lernumgebung setzen wir uns für nachhaltige Schulbauten ein.

    Um besonders Jugendliche ohne Abschluss zu erreichen, stärken wir die Ausbildungs-vorbereitung und schaffen ein flächendeckendes Netz an Jugendberufsagenturen. Nicht zuletzt setzen wir uns für den Erhalt des Meisterbriefs ein  ̶  Eine Meisterausbildung muss analog zum Erststudium kostenfrei sein!

    Die Digitalisierung an unseren Schulen wollen wir über die Ausweitung der kostenlosen Schulbuchausleihe auf digitale Endgeräte oder die Bereitstellung von Lizenzen und entsprechende Inhalte in Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte stärken.

    Wenn unser Hochschulsystem leistungsfähig bleiben soll, müssen wir die Finanzierung schrittweise auf den Bundesdurchschnitt anheben. Zu leistungsfähigen Hochschulen gehört für uns die Ausweitung von unbefristeten Stellen.

  • CDU

    Wir sichern jedem Kind die gleichen Chancen und wir garantieren Schule: 10 Prozent Unterrichtsausfall werden wir nicht länger hinnehmen. Denn Bildung sichert Lebensperspektiven, insbesondere für Kinder, die mehr Unterstützung brauchen. Jede Stunde, Soziale die ausfällt oder einfach nur überbrückt wird, schmälert ihre Chancen. Bildung ist die neue Frage. Wir wollen zusätzliche feste Lehrerstellen für alle Schularten und Schulsozialarbeit an jeder Schule. Wir werden dem Lehrerberuf mehr Wertschätzung und mehr Zeit für die Aus- und Weiterbildung zukommen lassen und so mehr Personal gewinnen. So sollte das Referendariat wieder auf zwei Jahre ausgeweitet werden. Unser Ziel ist die 105%ige Lehrerversorgung, denn wir wollen die 100%ige Unterrichtsgarantie für unsere Kinder.

    Wir setzen uns für kleine Klassen ein. Für das, was Schule heute alles leisten soll, sind die Klassen zu groß. Wir wollen in der Regel die Klassenmesszahl auf 20 Schülerinnen und Schüler in einem ersten Schritt in der Grundschule senken.

    Die Zeit des Homeschoolings hat gezeigt, dass der digitale Fernunterricht flächendeckend oft nicht funktioniert. Die klaren Vorgaben eines Lehrplans für Digitalunterricht fehlten, Plattformen für den Fernunterricht waren nicht erreichbar. Das Thema Digitalisierung ist zwar flächendeckend in der Schule angekommen, Schulen und Lehrer wurden aber mit der Aufgabe, neue pädagogische Konzepte zu erarbeiten, allein gelassen.

    Wir wollen Fachkräfte für Digitales für jede Schule, den sogenannten „Digitalen Hausmeister“. Und digitaler Unterricht ist teuer - zum einen für die Schulträger (deshalb fordern wird eine 50:50-Finanzierung aller Digitalinvestitionen der Schulträger mit dem Land), zum anderen für die Eltern. Die für digitale Endgeräte für Schüler und Lehrer vom Bund bereitgestellten Milliarden müssen in ein Leihsystem vergleichbar der Schulbuchausleihe investiert werden.

    Wir setzen uns außerdem für vergleichbare Abschlüsse ein. Wer will, dass sich Schülerinnen und Schüler, Betriebe und Hochschulen wieder auf den Wert einer Note verlassen können, muss die Abschlussprüfungen vergleichbar machen. Deshalb ist es am Ende des 4. Schuljahrs wichtig, dass alle die gleichen Lerninhalte erworben haben. Zentrale Abschlussprüfungen sorgen für eine objektive Leistungserhebung; sie geben Schülerinnen und Schülern ein Zeugnis in die Hand, auf das sie stolz sein können. Leistung soll sich wieder lohnen.

  • Die Linke

    DIE LINKE möchte gute Bildung von der Kita bis zur Universität und Berufsausbildung. Aus unserer Sicht sind weite Teile des Bildungssystems jedoch finanziell und personell schlecht ausgestattet. Um eine gute Betreuung in den Kitas zu ermöglichen, brauchen wir dringend mehr Erzieher:innen. Dadurch können die Gruppengrößen reduziert werden. Wichtig sind uns dabei gute Arbeitsbedingungen. Zudem muss das Land mehr Geld in den Ausbau der Kitas investieren, um genügend Räume sowie die erforderliche Infrastruktur (z. B. Küchen, Außengelände) verfügbar zu machen.

    Auch an den Schulen wurde zu lange gespart. Gebäude sind teils marode und die Ausstattung für digitales Lernen ist vielfach nicht vorhanden. Wir wollen Geld in die Sanierung und den Ausbau der Schulen investieren. Alle Schulen und alle Schüler:innen müssen mit zeitgemäßen Arbeits- und Unterrichtsmitteln ausgestattet werden. Gerade vor dem Hintergrund der Pandemie zeigt sich, dass die Klassen kleiner werden müssen. Dazu brauchen wir mehr Lehrkräfte. Außerdem wollen wir alle Bildungseinrichtungen mit Lüftungssystemen ausstatten.

    An den Universitäten wollen wir eine Abkehr von Exzellenz-Initiativen. Dadurch werden die Mittel auf einzelne Standorte konzentriert, während andere Unis und Hochschulen abgehängt werden. Wir wollen die Situation des akademischen Mittelbaus verbessern. Es kann nicht sein, dass sich Akademiker:innen von einer befristeten Stelle zur nächsten durchschlagen müssen. So können keine langfristigen Perspektiven geschaffen werden und der wissenschaftliche Nachwuchs sucht sich andere Arbeit. Die Mitsprache von Studierenden muss verbessert werden.

    Wir wollen einen Anspruch auf eine dreijährige berufliche Ausbildung schaffen. Betriebe, die nicht selbst ausbilden, sollen an den Kosten durch eine Ausbildungsplatzumlage beteiligt werden. Für Azubis fordern wir eine vollständige Freistellung an allen Berufsschultagen und eine höhere Mindestausbildungsvergütung.

  • FDP

    Für uns Freie Demokraten ist Bildung ein zentrales Bürgerrecht. Wir wollen das Aufstiegsversprechen und Bildungsgerechtigkeit in in den Mittelpunkt unserer Politik stellen. Wir werden weiter konsequent daran arbeiten, für jedes Kind die beste Bildung anzubieten. Und zwar kostenfrei von der Kita, über die berufliche Ausbildung, bis hin zur Hochschule.

    In den Kindertagesstätten werden die Grundlagen für den späteren Bildungserfolg gelegt – und zwar unabhängig von Herkunft und sozialem Status. Die Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bei der Arbeit mit Kindern bleibt das Ziel der Freien Demokraten. Wir unterstützen die Einrichtung echter dualer Ausbildungsplätze für Erzieherinnen und Erzieher.

    Die berufliche Bildung ist das Erfolgsmodell hochwertiger Bildung. In Rheinland-Pfalz ist sie der größte Chancengeber, egal ob es um qualifizierte Bildungs- und Berufschancen für junge Menschen geht, um eine hochwertige grundständige Berufsausbildung, höhere beruflich orientierte Schulabschlüsse oder die Qualifikation zum Meister. Eine Stärkung der Berufsbildenden Schulen ist weiterhin unerlässlich – mit bestmöglicher Personalausstattung, passgenauer Technik und dem Ausbau von webbasierten Unterrichtsformaten.

    Die Hochschulen in Rheinland-Pfalz sind für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes von elementarer Bedeutung. Wir wollen die Bereiche Innovation, Forschung und Entwicklung weiter vorantreiben und Wissenschaft und Wirtschaft stärker vernetzen. Dafür werden wir die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung fördern und auf flexible Studiengänge hinwirken. Wissens- und Technologietransfer funktioniert nur mit größtmöglicher Eigenständigkeit und der Möglichkeit zur regionalen Profilbildung.

    Unser Bildungs- und Ausbildungssystem braucht eine moderne und digitale Ausstattung. Wir wollen, dass die Kinder und Jugendlichen den schweren Schulranzen bald nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen. Dafür müssen sämtliche Schulen in Rheinland-Pfalz an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Gerade für dünn besiedelte ländliche Regionen wollen wir Präsenzunterricht mit digitalen Methoden unterstützen.

  • SPD

    Rheinland-Pfalz ist das Bildungsland. Bei uns steht beste sozialdemokratische Bildung für das Versprechen, Kindern und Jugendlichen gleiche Bildungschancen zu ermöglichen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und der sozialen Herkunft. Wir wollen für alle Kinder und Jugendlichen den Weg in eine erfolgreiche persönliche und berufliche Zukunft bereiten. Bereits heute ist unser Rheinland-Pfalz das Land, in dem der Bildungserfolg weniger stark von der sozialen Herkunft abhängt als anderswo. Darauf sind wir stolz und dafür arbeiten wir auch in Zukunft!

    Durch die Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Hochschule legen wir einen wichtigen Grundstein für gleiche Chancen. Uns ist es wichtig, dass wir im ganzen Bildungsweg Familien unterstützen, etwa mit der kostenfreien Schülerbeförderung bis zur 10. Klasse, gebührenfreier und qualitativ hochwertiger Ganztagsbildung an mehr als der Hälfte unserer Schulen oder mit einer weitreichenden Lernmittelfreiheit, zu der künftig auch die Ausleihe von digitalen Endgeräten gehört. Im Laufe eines Bildungswegs hat bei uns eine Familie mit zwei Kindern rund 30.000 Euro mehr Geld zur Verfügung als in anderen Bundesländern.

    Seit vielen Jahren gehört die Vermittlung von Medienkompetenz in unseren Schulen selbstverständlich zum Unterricht dazu. Außerdem verfolgen wir eine Gesamtstrategie von der Kita bis zum Schulabschluss. Bildung ist schließlich der Schlüssel zum Erfolg unserer Kinder!

    Unsere Bildungspolitik endet aber nicht mit der Schule. Jugendliche brauchen gerade am Anfang ihres beruflichen Werdegangs Unterstützung: Deshalb setzen wir uns weiter entschlossen für faire Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen und adäquate Bezahlung ein. Wir werden sowohl die schulische Ausbildung stärken als auch die überbetrieblichen Ausbildungszentren und die Verbund-Ausbildung. Schulische bzw. universitäre und berufliche Ausbildung muss völlig gleichgestellt werden. Wir starten eine Ausbildungsinitiative, um negative Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie aufzufangen und die Auszubildenden hinsichtlich der Digitalisierung zu unterstützen. Auf Bundesebene streben wir eine finanzielle Förderung der Ausbildung an.


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