Deutscher Gewerkschaftsbund

26.07.2023
Das Fachkräfte ABC des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland

S von Schulsozialarbeit bis Standorte sichern

Inhaltsverzeichnis

Schulsozialarbeit

Solidarität/Soziale Kompetenzen in der Ausbildung

Sprachförderung

Wenn Unternehmen in Deutschland internationale Fach- und Arbeitskräfte beschäftigen, entstehen oft schnell Problematiken, die meist auf die unzureichenden Deutschsprachkenntnisse dieser Gruppe zurückgeführt werden. Diese Problematiken sind sehr vielfältig und multidimensional, es wäre viel zu einfach sie monokausal auf „schlechtes Deutsch“ zu schieben:

 

•         langsame und unzuverlässige Abstimmungsprozesse zwischen den ausführenden Einheiten (erhöhter Mehr- und Zeitaufwand àFolgen daraus: Überlastung, Stress, Qualitätseinbußen und Frustration bei allen Beteiligten)

•         Missverständnisse, die auf mangelndes Hörverstehen oder beschränkte Ausdrucksfähigkeit zurückgeführt werden

•         erhöhter administrativer Aufwand, Mehrbelastung der Mitarbeiterschaft

·         verminderter Austausch von Wissen und Handlungswissen (allgemein und in spezifischen Situationen)

•         Abstriche bei der Qualität der Produkte oder der Dienstleistungen

•         finanzielle Verluste

•         internationale MA*innen sind und bleiben in ihrer Handlungsfähigkeit begrenzt (Sprachkompetenz und Kommunikationskompetenz als Teil der Handlungskompetenz)

·         Isolation der internationalen Fach- und Arbeitskräfte bleibt aufrecht, Integrationsbemühungen gelingen nicht vollumfänglich

 

Die oftmals als nicht zufriedenstellend angesehene „Sprach- und Kommunikationsproblematik“ bewegt sich oft schnell in Richtung „blame-game“, viele „Beschuldigte“ werden dann schnell defensiv und arbeiten mehr am Konflikt als an der Lösung. Hinzu kommt, dass alle Konflikte und Probleme in diesem Spannungsfeld auf die unzureichenden Sprachkenntnisse geschoben werden, da diese offensichtlich sind und in der alleinigen Verantwortung der internationalen Fach- und Arbeitskräfte liegen.

 

In den seltensten Fällen wird hier die Perspektive der internationalen Fach- und Arbeitskräfte eingenommen. Dadurch ist es nur schwer möglich, die Herausforderungen dieser Gruppe transparent und bewusst zu machen sowie aus der Unternehmensperspektive daraus eigene Aufgaben und Verantwortlichkeiten abzuleiten:

•       Spracherwerbsbiografien und –strategien sind vielfältig

•       Äußere Umstände unterscheiden sich von Fall zu Fall

•       Sprachkompetenz ist viel mehr als nur „vernünftig sprechen/verstehen“

•       vier Dimensionen (Hörverstehen, Leseverstehen, schriftlicher und mündlicher Ausdruck)

•       soziolinguistische Kompetenz

•       sprachlogische Kompetenz

•       sprachstrategische Kompetenz

•       oft wenig zeitliche Kapazitäten, begrenzte finanzielle Möglichkeiten

•       Vorstellungen und Erwartungen aller am Prozess Beteiligten divergieren und sind oft nicht offen einsehbar

•       Repetitive Kommunikationssituationen schaffen Eindimensionalität und führen zu erlernten Fehlermustern und verstellen den Weg hin zur spontanen Sprachverwendung

•       Kommunikationssituationen sind z.T. hochfrequent und überschneiden sich

•       Häufige Registerwechsel (inkl. Dialekt) stellen Lernende vor große Herausforderungen

•       Transitphase zwischen bewusster und unbewusster Kompetenz (bzw. noch zwischen bewusster Inkompetenz und bewusster Kompetenz) kann viel Zeit in Anspruch nehmen

•       Steuerung der Art der Ansprache variiert je nach Gesprächspartner*in

•       Oft gibt es fehlende Vorstellungsinhalte für Objekte, Prozesse, Situationen und Folgen, es existieren keine/falsche „Bilder im Kopf“

•       Allgemein hohes Stressniveau

•       Interkulturelle Aspekte à „Warum fragen sie nicht einfach?“

•       Nicht ausreichendes konstruktives Feedback auf sprachlicher Ebene

 

Jede internationale Fach- und Arbeitskraft hat ein individuelles Set aus Faktoren, die den allgemeinen und spezifischen Spracherwerb erschweren. Jede internationale Fach- und Arbeitskraft hat aber auch ein individuelles Set aus Kompetenzen und Ressourcen, die für das Individuum und für das jeweilige soziale Umfeld konstruktiv aktiviert und eingesetzt werden können. Sowohl den Lernenden als auch den Betrieben nur allgemeine Unterstützungsstrukturen an die Seite zu stellen, greift dann zu kurz und führt in den seltensten Fällen zu Erfolgen. Wenn es gelingt gemeinsam (über-)betrieblich ein aktivierendes und wertschätzendes Umfeld zu schaffen, können die Sprach- und Kommunikationslücken von beiden Seiten mit dem Schiebetürprinzip geschlossen werden. Hierfür braucht es aber einen recht präzisen Blick auf das kommunikative Anforderungsprofil des Betriebs und auf die Ressourcen der internationalen Fach- und Arbeitskräfte.

 

 

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