Deutscher Gewerkschaftsbund

26.07.2023
Das Fachkräfte ABC des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland

Z - wie Zeiterfassung

Inhaltsverzeichnis

Zeiterfassung

Eine ausgewogene Work-Life Balance ist wichtig. Nicht nur für persönliches Wohlbefinden, für Zeit mit unseren Liebsten oder auch einfach mal Zeit für uns – sondern auch für unsere Gesundheit. Und wenn Privates und Beruf ausgewogen gestaltet ist, dann ist das nicht nur im Privaten, sondern auch im Job von Vorteil. Denn Motivation, Leistung und Arbeitsergebnisse werden von einer gesunden Work-Life-Balance positiver beeinflusst, als von zeitintensivem Dauerstress.

Damit die Zeit nicht aus dem Ruder läuft, muss sie erfasst werden. Davon profitieren letztlich also alle. Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Obwohl das so ist, wird Zeiterfassung von einigen als lästig empfunden: Bürokratisch oder aufwendig. Dabei schützt sie uns nicht nur, sie macht uns auch vieles deutlich, was wir sonst vielleicht gar nicht bemerken würden.

Hier mal ein paar Überstunden, da mal E-Mails gecheckt oder ans Telefon gegangen: Wie viel sich hier ansammelt, merken wir oft erst dann, wenn wir es erfasst und somit schwarz auf weiß vor uns haben.

Und oft merken wir auch erst dann, dass vielleicht sogar nicht einmal mehr das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird: Halten wir unsere Ruhezeiten von 11 Stunden zwischen den Arbeitstagen ein? Werden Höchstarbeitszeiten eingehalten? Werden Regelungen zu Sonntagsarbeit eingehalten? Manchmal macht uns die Erfassung klar, dass wir hier noch besser auf uns achten müssen. Oder aber, dass es schwarze Schafe bei Arbeitgebern gibt, die Zeiten verlangen, die gesetzlich gar nicht erlaubt sind.

Das BAG-Grundsatzurteil (Az.: 1ABR 22/21) vom 13.09.2022 bringt hierbei neue Fahrt in die Debatte rund um das Thema Arbeitszeiterfassung. Es stellt klar, dass hierzulande bereits heute eine Pflicht zur Arbeitszeiterfassung besteht und begründet dies mit der europarechtskonformen Auslegung von § 3 Abs. 2 Nr. 1 Arbeitsschutzgesetz. Die darin beschriebenen arbeitsschutzrechtlichen Organisationspflichten des Arbeitgebers beinhalten eine Verpflichtung zur Einführung einer systematischen Arbeitszeiterfassung, deutet das höchste Arbeitsgericht.

Dies sei insbesondere auf dem Hintergrund des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2019 (Urteil vom 14.05.2019, Az. C-55/18) nahelegend. Das sogenannte „Stechuhr-Urteil“ verlangt, dass Arbeitgeber durch die jeweiligen Mitgliedstaaten verpflichtet werden, ein „objektives, verlässliches und zugängliches System“ zur Erfassung der täglichen Arbeitszeit ihrer Beschäftigten einführen.

Zeiterfassung ist deshalb nicht nur nice-to-have sondern Pflicht.

„Vertrauenarbeitszeit ist doch aber viel besser“ sagen da aber nun einige. Aber Zeiterfassung steht zur Vertrauensarbeitszeit in keinerlei Widerspruch. Denn Vertrauensarbeitszeit hieß nie, dass man bis bisher gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen durfte. Die Arbeitszeitgesetze galten auch schon vorher. Vertrauensarbeitszeit bedeutet, dass Arbeitnehmer entscheiden, wann sie mit ihrer Arbeit beginnen und enden wollen. Das ist immer noch möglich. Neu ist jetzt nur, dass erfasst werden muss, von wann bis wann das ist.

Und dort, wo Vertrauensarbeitszeit bedeutete, man verstößt gegen das Arbeitszeitgesetz und alle schauen weg, da werden Regelverstöße nun offensichtlich. Und das ist gut. Für die Gesundheit der Beschäftigten und für die Leistung der Arbeit.

Denn wer mehr als gesetzlich erlaubt am Stück arbeitet, keine Ruhezeiten einhalten kann oder dauerhaft Mehrarbeit leisten muss, der bekommt schnell gesundheitliche Probleme. Das Unfallrisiko im Betrieb steigt. Die Zufriedenheit und Motivation sinkt. Und oft wird Mehrarbeit, die geleistet aber nicht erfasst wird noch nicht einmal vergütet bzw. kann noch nicht einmal durch Freizeit ausgeglichen werden. Zeiterfassung schützt Beschäftigte daher auf vielen Ebenen.

 

Betriebsräte bestimmen über Fragen der Arbeitszeit und der Arbeitszeiterfassung mit. Sie müssen nach §87 BetrVG beteiligt werden und können selbst aktiv werden. Durch Betriebsvereinbarungen können sie Arbeitszeiten und die Erfassung regeln. Die TBS gGmbH Rheinland-Pfalz unterstützt Betriebsräte hierbei passgenaue arbeitnehmerorientierte Regelungen zu entwickeln.

 

Zukunftsfonds

Unternehmen sollen in einen Zukunftsfonds einzahlen


Klar ist: Eine Ausbildungsgarantie muss gut finanziert sein. Deshalb fordert der DGB und die DGB-Jugend, dass ein Zukunftsfonds eingerichtet wird, in den alle Unternehmen einzahlen. Die Betriebe, die ausbilden, erhalten eine finanzielle Förderung der Ausbildungskosten aus dem Fonds. Aus den weiteren eingezahlten Geldern wird die Bereitstellung zusätzlicher Ausbildungsplätze finanziert, also Kosten, die bei den außerbetrieblichen Trägern und deren Kooperationspartner*innen entstehen.

Die Ausbildungsgarantie ist nur in Verbindung mit einer Umlagefinanzierung über einen Zukunftsfonds zielführend. Aus diesem Fonds soll die Ausbildung in kleineren und mittleren Unternehmen unterstützt werden. Die Umlagefinanzierung bietet den Betrieben einen zusätzlichen Anreiz, die Anzahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen.

Über einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds könnten endlich alle Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden – vor allem diejenigen, die bisher nicht ausbilden wollten. Die Realität zeigt, dass das funktioniert: In manchen Branchen wie dem Baugewerbe ist bereits ein umlagefinanzierter Branchenfonds eingeführt worden.
Wir fordern die Einführung eines Zukunftsfonds branchenübergreifend! Die Ausbildungsgarantie funktioniert nur mit einem Zukunftsfonds, in dem alle Unternehmer einzahlen und so die Kosten der Ausbildung solidarisch finanzieren.

 

Mehr Infos:

https://www.bremen-innovativ.de/wp-content/uploads/2022/06/2022-06-08-Abschlussbericht-Expertenkommission-Ausbildungsfoerderungsfonds.pdf

https://www.igmetall.de/jugend/auszubildende/ausbildungsgarantie-das-fordern-ig-metall-jugend-und-dgb

https://www.dgb.de/uber-uns/dgb-heute/bildung-und-bildungsarbeit/++co++0ac232c0-55f1-11ed-acec-001a4a160123


Nach oben

Logo DGB Jugend
DGB
Logo DGB Beamte
DGB
Logo DGB Frauen
DGB

Direkt zu ihrer Gewerkschaft