Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 003 - 22.01.2020

Ausbildungsreport 2019

Auszubildende sehen sich nicht ausreichend auf die digitalen Herausforderungen der Zukunft vorbereitet

Der DGB Rheinland-Pfalz / Saarland hat heute seinen Ausbildungsreport Rheinland-Pfalz 2019 veröffentlicht. Inhaltlich beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe des Ausbildungsreports mit der Frage, wie gut sich die Auszubildenden auf die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt vorbereitet sehen.

„80 Prozent der befragten Auszubildenden sind der Meinung, dass Digitalisierung in ihrer Ausbildung wichtig sei. Aber nur annähernd die Hälfte der Auszubildenden wird ausreichend für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert, etwa 70 Prozent bekommen in den ausbildenden Betrieben keine technischen Geräte zur Verfügung gestellt.“, erklärt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland, die Ergebnisse zum betrieblichen Teil der Ausbildung. Die digitale Ausstattung der rheinland-pfälzischen Berufsschulen wird von 35 Prozent der Auszubildenden nur als ausreichend oder mangelhaft bewertet.

„Hier besteht dringender Handlungsbedarf! Die berufsbildenden Schulen müssen angemessen für die digitale Zukunft ausgerüstet werden. Marode und heruntergekommene Gebäude sowie fehlende technische Ausstattung und ein Mangel an Lehrpersonal sind keine Grundlage für eine Ausbildung 4.0.“, fordert Muscheid.

In vielen Bereichen ist heute noch nicht vorhersehbar, wie der digitale Wandel der Arbeitswelt einzelne Berufsbilder verändern wird. Auf diese Unsicherheit werden die Auszubildende im Laufe ihres Berufslebens am besten reagieren können, denen fundierte fachliche Kenntnissen in der Ausbildung vermittelt wurden. Der Ausbildungsqualität kommt damit zukünftig ein noch höherer Stellenwert zu, erklärt Maria Leurs, Bezirksjugendsekretärin der DGB Jugend Rheinland-Pfalz / Saarland:

„Zweijährige Schmalspurausbildungen, beispielsweise zum Maschinen- und Anlagenführer oder zur Fachkraft für Zerspanungstechnik, passen nicht in die moderne digitale Arbeitswelt und können die Auszubildenden nicht ausreichend auf die zukünftigen digitalen Herausforderungen vorbereiten. Hier braucht es ein Update bestehender Berufe und eine Anpassung der Ausbildungsinhalte – dies muss gewerkschaftlich mitbestimmt und an den Interessen der jungen Beschäftigten orientiert passieren.“

Weitere Ergebnisse des Ausbildungsreports 2019:

Der Wert der allgemeinen Zufriedenheit mit der Ausbildung ist mit 67,5 Prozent nach wie vor hoch, fällt jedoch um knapp sechs Prozent niedriger aus, als noch im Jahr 2016 (73,4 Prozent). Im gleichen Zeitraum ist hat sich der Wert der Auszubildenden, die mit ihrer Ausbildung „eher unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“ sind, mit 9,1 Prozent nahezu verdoppelt (2016: 4,7%).

Als Ursachen für diese Unzufriedenheit werden u.a. häufig Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz und das Berufsbildungsgesetz, eine nicht ausreichende Betreuung durch den oder die AusbilderInnen oder die häufige Übertragung ausbildungsfremder Tätigkeiten genannt.

Dies bildet sich auch in den erhobenen Zahlen ab – so müssen 38,7 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden leisten. 16,2 Prozent der Befragten erhalten dafür weder eine Vergütung, noch einen Freizeitausgleich; weitere 14 Prozent wussten nicht, ob sie einen Ausgleich erhalten. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Berufsbildungsgesetz. Besorgniserregend ist, dass auch 13 Prozent der minderjährigen Auszubildenden regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten müssen, was einen klaren Verstoß gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz darstellt.

Für den Ausbildungsreport wurden 991 Auszubildende aus 21 der 25 meistfrequentierten Ausbildungsberufe befragt. Er stellt damit eine repräsentative Bewertung der Ausbildungssituation in Rheinland-Pfalz dar.

Der Ausbildungsreport 2019 steht hier zum Download bereit.


Nach oben

Logo DGB Jugend
DGB
Logo DGB Beamte
DGB
Logo DGB Frauen
DGB

Direkt zu ihrer Gewerkschaft

Was haben die Gewerkschaften je für uns getan?

Die Geschichte der Gewerkschaften

"Der Streik" Robert Koehler, Wikipedia