Deutscher Gewerkschaftsbund

PM DGB-RLP - 15.06.2012

DGB lehnt Betreuungsgeld ab

DGB Rheinland-Pfalz fordert Bundestagsabgeordnete zur Ablehnung auf

Der DGB fordert die 31 rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten auf, das geplante Betreuungsgeld abzulehnen. „Anstatt eine Fernhalteprämie auszuschütten muss jeder Cent und jeder Euro zunächst in die Verbesserung der Betreuungsangebote investiert werden“, sagte der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid am Freitag in Mainz. Echte Wahlfreiheit hätten Eltern nur, wenn gut ausgestattete Betreuungsplätze mit gut ausgebildetem Personal in ausreichender Anzahl zur Verfügung stünden. Erst wenn dies gewährleistet sei, könne überhaupt über teure neue familienpolitische Maßnahmen nachgedacht werden.

„Die Bundesregierung spricht von Anerkennung für die Erziehungsleistung der Eltern. Das eigentliche Problem ist aber die offensichtlich immer noch vorhandene Verachtung staatlicher Betreuungseinrichtungen“, sagte Muscheid weiter. Anders sei nicht zu erklären, dass Erzieherinnen und Erzieher weiterhin schlecht bezahlt seien, arbeitsrechtliche Vorgaben, die in anderen Berufen gelten, abgesenkt würden und inzwischen sogar Ein-Euro-Jobber für die Kinderbetreuung herangezogen würden. „Hier müsste die Bundesregierung Geld in die Hand nehmen und die Kommunen beim Ausbau qualifizierter Betreuung stärker unterstützen.“

Mit ihren Betreuungsgeldplänen laufe die Bundesregierung einem längst überholten Familienbild hinterher, das weder dem Lebensgefühl noch der Lebensrealität junger Eltern entspreche, sagte Muscheid. „Es ist nicht im Sinne der Gesellschaft, über eine Milliarde Euro für eine Maßnahme auszugeben, die dazu führt, dass Kinder, die von einem Besuch in der Kita profitieren würden, zuhause bleiben müssen. Und es ist nicht im Sinne der Gesellschaft – und übrigens auch nicht der Wirtschaft – dass Frauen oder Männer womöglich aus finanziellen Gründen zuhause bleiben, statt einen Beruf auszuüben.“

Gleichzeitig habe die Gesellschaft aber auch die Verpflichtung, Erziehungsleistungen stärker anzuerkennen. Wer sein Kind zuhause erziehe habe dafür Respekt verdient. Geld, das woanders dringender gebraucht werde, dürfe dafür aber nicht ausgegeben werden.


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