Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 080 - 27.11.2017

„Mehr als drei Viertel der Frauen beziehen eine Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle!“

Der DGB Rheinland-Pfalz / Saarland hat heute seinen „Rentenreport 2017“ präsentiert. Mit ihm legt der Deutsche Gewerkschaftsbund erstmalig einen Report zur Situation der Rentnerinnen und Rentner in Rheinland-Pfalz vor. Die Auswertungen zeigen, dass es bereits heute für viele Ältere schwierig ist, mit ihrer Rente den Alltag zu bestreiten. Schon jetzt ist absehbar, dass viele Menschen künftig nicht mit ihrer Rente auskommen werden, resümiert Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland:

„Es ist ein rentenpolitischer Skandal, dass mehr als drei Viertel der Frauen eine Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle erhalten! Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Bundesregierung ist dafür zu kritisieren, dass sie nichts gegen den Sinkflug des gesetzlichen Rentenniveaus unternommen hat. Sie hat der sich ausbreitenden Altersarmut nicht entgegenwirkt und schwächt damit auch das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung. Wir brauchen dringend einen Kurswechsel in der Rentenpolitik, mit dem das Rentenniveau stabilisiert und in einem weiteren Schritt auf etwa 50 Prozent angehoben wird!“

Die durchschnittliche Altersrente im Rentenbestand betrug für Männer in Rheinland-Pfalz im Jahr 2016 1.148 Euro und für Frauen 575 Euro. Bei den Männern fällt die Rentenauszahlung im Rhein-Pfalz-Kreis mit 1.229,96 Euro im Schnitt am höchsten und in der kreisfreien Stadt Pirmasens mit 874,99 Euro am niedrigsten aus. Frauen erhalten in der Stadt Mainz mit 727,83 Euro die höchste Rentenauszahlung, am niedrigsten ist sie im Kreis Bitburg-Prüm mit 529,13 Euro. Insgesamt liegen 76,4 Prozent der Frauen und 36,3 Prozent der Männer mit weniger als 900 Euro noch weit unter der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 996 Euro.

„Mit der immer noch unzureichenden Betreuungsinfrastruktur werden viele Frauen in Teilzeitarbeit gedrängt. Dazu setzt die Privilegierung der Minijobs Fehlanreize, die die geschlechtsspezifische Ungleichheit begünstigen. In Kombination führt dies dazu, dass Frauen die Möglichkeiten einer eigenen Altersvorsorge genommen werden. Politisch bedeutet es, dass auch im Jahr 2017 noch immer auf das überholte Modell der Altersvorsorge durch den Mann gesetzt wird."

Kaufkraftbereinigt haben die Rentnerinnen und Rentner im Land gegenüber dem Jahr 2000 deutlich an Finanzkraft eingebüßt. Bei den neuen Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit sinken die durchschnittlichen kaufkraftbereinigten Zahlbeträge seit der Jahrtausendwende besonders deutlich. Bei den Männern ist nominal sogar ein Rückgang zu verzeichnen. Im Jahr 2016 erhielten sie 770 Euro. Im Jahr 2000 waren es dagegen noch 822 Euro. Bei den Frauen stieg der Betrag in diesem Zeitraum zwar, aber auch sie büßen nach Abzug des Kaufkraftverlustes gegenüber dem Jahr 2000 an Finanzkraft ein.

Sowohl bei Männern wie auch bei Frauen sind die psychischen Erkrankungen die Hauptdiagnose für Erwerbsminderungsrenten. Mittlerweile scheiden in Rheinland-Pfalz über 40 Prozent aus diesem Grund aus dem Erwerbsleben aus. 2006 waren es etwas über 30 Prozent. Dabei sind Frauen weitaus häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen als Männer.

Den Rentenreport 2017 finden Sie hier in voller Länge:


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