Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 028 - 13.06.2018

Muscheid: „Jeder sechste junge Mensch geht beim Übergang von der Schule ins Berufsleben verloren.“

In Rheinland-Pfalz leben 77.800 junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben und sich aktuell auch nicht in einem Ausbildungsgang befinden, wie der DGB heute im Rahmen einer Pressekonferenz mitteilte.

Dazu sagt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland:

„In Rheinland-Pfalz hat jeder sechste junge Mensch zwischen 20 und 30 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung und befindet sich aktuell nicht in einem Ausbildungsgang. Jedes Jahr kommen tausende junge Menschen dazu, die wir beim Übergang von der Schule ins Berufsleben verlieren. Das ist eine Situation, die für die Betroffenen dramatisch ist und die wir uns angesichts des viel beschworenen Fachkräftemangels gesamtgesellschaftlich gar nicht leisten können.“

Aus den veröffentlichten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit wird diese Situation nur auf den zweiten Blick deutlich, wie Muscheid erläutert:

„Die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit geben die Situation nur verzerrt wieder, wenn sie für das Ausbildungsjahr 2016/2017 733 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber ausweisen. Tatsächlich fehlen mindestens 4.000 Ausbildungsplätze im Land und tausende junge Menschen ohne Ausbildung werden in der Statistik gar nicht erfasst. Von zusätzlich mehr als 10.000 jungen Menschen wissen wir überhaupt nicht, was sie machen. Gehen sie ohne Ausbildung arbeiten? Haben die im Lotto gewonnen? Sind sie als Straßenkünstler in Europa unterwegs? Die vorhandenen Daten zeigen, dass das Problem weitaus größer ist, als es die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit vermuten lassen. Um das genaue Ausmaß des Problems erfassen zu können, braucht es dringend eine Verbesserung der Datenlage. Dazu muss klar werden, wer die Schule verlassen hat, aber danach keine Ausbildung oder ein Studium aufgenommen hat. Nur so können diese Personen gezielt beraten und ihnen Angebote gemacht werden. Andernfalls sind sie für den ersten Arbeitsmarkt verloren und einer massiven Armutsgefährdung ausgeliefert.“

Leonie Hein, Gewerkschaftsjugendsekretärin, erklärte im Rahmen der Pressekonferenz, wie die Diskrepanz zwischen den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und denen des DGB zu erklären ist:

„Nicht alle Betroffenen werden von der Statistik der Bundesagentur für Arbeit erfasst. Personen, die nicht als ausbildungsreif eingeschätzt werden, weil sie beispielsweise keinen Schulabschluss vorweisen können, tauchen nicht in der Statistik auf. Auch diejenigen, die sich bei der Bundesagentur für Arbeit nicht als ausbildungssuchend gemeldet haben, werden nicht erfasst. Zudem gibt es eine Gruppe von Ausbildungssuchenden, die bisher keinen Ausbildungsplatz finden konnten und deshalb übergangsweise ein Praktikum absolvieren oder sich eine andere Alternative gesucht haben. Diese Personen sind der Bundesagentur weiterhin als ausbildungssuchend bekannt, sie gehen jedoch ebenfalls nicht als unversorgte Bewerber aus der offiziellen Statistik hervor.“


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