Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 061 - 26.07.2017

Hohes Arbeitslosigkeitsrisiko für Geringqualifizierte

Muscheid: „Wir brauchen eine Qualifizierungsoffensive!“

Im Juni 2017 lag die Arbeitslosenquote in Rheinland-Pfalz bei 4,7%. Doch die Risiken, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, sind je nach Bildungsstand sehr ungleich verteilt. Besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind An- und Ungelernte. Sie haben ein etwa fünfmal höheres Risiko arbeitslos zu werden, als Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem Studium.

Das zeigt sich auch am Beispiel der Stadt Primasens, wo die Arbeitslosenquote im Jahr 2016 mit 12,7 Prozent im Landesvergleich besonders hoch lag. Für Menschen mit abgeschlossener betrieblicher oder schulischer Berufsausbildung betrug die Arbeitslosenquote hier 6,5 Prozent und für Akademiker sogar nur 2,6 Prozent, während sie bei Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bei 33,9 Prozent lag. Für Geringqualifizierte ist auch das Risiko von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen zu sein besonders hoch. Damit sich Arbeitslosigkeit nicht verfestigt, ist es wichtig, jetzt zu handeln.

Darum fordert Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland: „Wir brauchen eine Qualifizierungsoffensive, denn eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der wirksamste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Bei der guten konjunkturellen Lage ist in der Arbeitslosenversicherung derzeit genügend Geld vorhanden, um die verfügbaren Instrumente für berufliche Bildung und abschlussbezogene Weiterbildung zu nutzen. Jetzt kommt es darauf an, zu handeln und möglichst viel in die Nachqualifizierung von Geringqualifizierten zu investieren!“

Für Beschäftigte steht ein Programm der Bundesagentur für Arbeit (WeGebAU) zur Verfügung, mit dem geringqualifizierte oder ältere Beschäftigte in Unternehmen gefördert werden können, um sie weiter zu qualifizieren und so vor Arbeitslosigkeit zu schützen. Unternehmen, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiterbilden, können Weiterbildungskosten erhalten. Bei der Weiterbildung von Geringqualifizierten werden sogar Lohnkostenzuschüsse für die weiterbildungsbedingten Ausfallzeiten gezahlt. Mit WeGebAU können aber auch Qualifizierungen von Beschäftigten kleinerer und mittlerer Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten unterstützt werden.

„Bei Hartz-IV-Bezug sind jedoch die Jobcenter gefragt. Hier muss deutlich mehr in abschlussbezogene Weiterbildungen investiert werden. Es kann nicht angehen, dass Mittel, die eigentlich für die Förderung (Langzeit-)Arbeitsloser und hilfebedürftiger Beschäftigter gedacht waren, in die Verwaltungen der Jobcenter fließen und sich in der Folge Langezeitarbeitslosigkeit und Langzeitbezug verfestigen“, so Muscheid weiter.

Der DGB macht sich dafür stark, die vorhandenen Instrumente für abschlussbezogene Weiterbildung sowohl im Jobcenter als auch in der Agentur zu nutzen und so Aufstiegsprozesse am Arbeitsmarkt zu fördern und zu stärken.

 

Zu den regionalen Daten zu Qualifikation und Arbeitslosigkeitsrisiko für die Jahre 2015 und 2016 geht es hier:

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