Deutscher Gewerkschaftsbund

PM DGB-RLP - 16.08.2016

Neues Ausbildungsjahr, alte Probleme

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres bleibt die Lage auf dem rheinland-pfälzischen Ausbildungsmarkt angespannt. Grund ist, dass zu wenige Ausbildungsbetriebe zu wenige Ausbildungsplätze anbieten. 26.700 Bewerberinnen und Bewerbern um einen Ausbildungsplatz stehen nur 25.700 offene Stellen gegenüber.

„Nach DGB-Berechnungen bräuchten wir mindestens 31.500 Ausbildungsstellen in Rheinland-Pfalz, um Vielfalt und Qualität zu gewährleisten – davon sind wir mit 25.700 gemeldeten Stellen weit entfernt. Die Betriebe sind deshalb in der Pflicht, mehr und vor allem qualitativ hochwertig auszubilden. Ebenso ist die Politik dazu aufgerufen, hier steuernd einzugreifen. Ein Verhältnis von 1:1 zwischen Bewerbungen und Ausbildungsstellen wäre ein Anfang. Ziel muss aber ganz klar sein, dass junge Menschen aus mehreren Ausbildungsangeboten auswählen können“, so Dietmar Muscheid, Vorsitzender DGB Rheinland-Pfalz / Saarland. Diese Forderung unterstreicht auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das bereits im Jahr 1980 klarstellte, dass ein „auswahlfähiges“ Angebot an Ausbildungsplätzen sichergestellt werden müsste.

Ein weiteres Problem ist, dass der Ausbildungszugang für junge Menschen mit Hauptschulabschluss immer schwieriger wird. Im Bereich der dualen Ausbildung ist der Mittlere Schulabschluss am gefragtesten, die Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss landen leider überproportional häufig im sogenannten Übergangsbereich.

„Die Integrationskraft des dualen Systems wird geschwächt, wenn einerseits immer weniger ausgebildet wird und die Ausbildungsstellen gleichzeitig immer häufiger nur noch an Bewerberinnen und Bewerber mit mittleren Schulabschlüssen oder Hochschulreife vergeben werden. Stattdessen sollte jeder junge Mensch die Chancen bekommen, eine seinen Talenten und Interessen entsprechende Ausbildung zu beginnen“, so Muscheid. 

Der Berufsbildungsbericht 2016 im Auftrag der Kultusministerkonferenz und dem Bundesbildungsministerium stellt fest, dass im Bereich der beruflichen Bildung nur rund 50 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger tatsächlich eine duale Ausbildung absolvieren, 21,5 Prozent befinden sich im Schulberufssystem und über 28 Prozent in den verschiedenen Übergangssystemen. Der Übergangsbereich umfasst Bewerberinnen und Bewerber, die keine Stelle bekommen und sich stattdessen in Maßnahmen – etwa zur Berufsvorbereitung oder Einstiegsqualifizierung – befinden. Im Jahr 2015 waren das alleine in Rheinland-Pfalz rund 14.800 junge Menschen. In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit werden diese Ausbildungsplatzbewerber trotzdem als „versorgt“ geführt.


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