Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 067 - 29.08.2017

Dietmar Muscheid sieht steigende Zahl der geringfügig Beschäftigten im Land kritisch

Wie die dpa unter Berufung auf Zahlen der Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Saarbrücken meldet, gehen immer mehr Beschäftigte in Rheinland-Pfalz zusätzlich zu ihrem Hauptberuf einer geringfügigen Beschäftigung nach. Dazu sagt Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz / Saarland:

„Die Wirtschaft brummt und die Kommentierung der Arbeitsmarktzahlen scheint nur noch Superlativen zu kennen, doch die 396.000 Menschen, die in Rheinland-Pfalz einem 450-Euro-Job nachgehen, zeigen, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt.“

Dietmar Muscheid sieht den 450-Euro-Job als Motor des Niedriglohnsektors – selbst nach der Einführung des Mindestlohns und trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Gleichbehandlung der Beschäftigten:

„In der Praxis sind geringfügig Beschäftigte häufig Beschäftigte zweiter Klasse, die mit Aushilfslöhnen abgespeist werden, obwohl sie reguläre Tätigkeiten verrichten. Auch das gesetzlich verankerte Recht auf bezahlten Urlaub wird einem Drittel der geringfügig Beschäftigten vorenthalten, fast die Hälfte von ihnen bekommt keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.“

Rund 260.000 Menschen in Rheinland-Pfalz sind ausschließlich geringfügig beschäftigt. Mehr als zwei Drittel der ausschließlich geringfügig Beschäftigten zwischen 25 und 65 Jahren sind Frauen. Dietmar Muscheid sieht hierin die Folgen staatlicher Fehlanreize und fordert eine Reform des Minijobs:

„Der DGB hat im vergangenen Jahr ein Konzept zur Reform des Minijobs vorgelegt, mit dem die staatlichen Fehlanreize gestoppt würden. Ganz wichtig ist uns, dass Minijobs ab dem ersten Euro voll in die Sozialversicherung einbezogen werden. Außerdem würde es den vielen ausschließlich geringfügig Beschäftigten helfen, wenn sie länger arbeiten könnten, was durch die 450-Euro-Grenze derzeit nicht möglich ist. Die Folgen sind dramatisch, denn wer heute ausschließlich geringfügig beschäftigt ist, für den ist die Altersarmut vorprogrammiert. Hier ist die Politik dringend aufgefordert nachzusteuern.“

 

Zum Hintergrund:

Nach Angaben der Arbeitsagentur gingen in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr knapp 396.000 Menschen einem Minijob nach, fast 260.000 von ihnen waren ausschließlich geringfügig beschäftigt. Rund 136.000 Menschen in Rheinland-Pfalz hatten im vergangenen Jahr eine geringfügige Beschäftigung neben ihrem Hauptberuf. Dies entspricht einem Zuwachs von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von rund 55 Prozent gegenüber dem Wert von vor zehn Jahren.


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