Deutscher Gewerkschaftsbund

PM DGB-RLP - 17.11.2014

Vorstellung Ausbildungsreport 2014

Die Klagen über den drohenden Fachkräftemangel im Land werden immer lauter. Eine gute und qualifizierte Ausbildung schafft die Basis dafür, den Bedarf an Fachkräften auch in Zukunft decken zu können. Der aktuelle Ausbildungsreport, den der DGB Rheinland-Pfalz nun bereits zum fünften Mal in Auftrag gegeben hat, zeigt aber, dass es weiter Defizite in der Ausbildungspraxis vieler Betriebe gibt.
„Der Ausbildungsreport weist aus, dass Überstunden ohne jeden Ausgleich, fehlende Betreuung und ausbildungsfremde Tätigkeiten in einigen Branchen weiter gängige Praxis sind. Auszubildende sind keine billigen Arbeitskräfte – das scheinen einige Betriebe aber immer noch nicht verstanden zu haben“, kritisiert Dietmar Muscheid, Vorsitzender DGB Rheinland-Pfalz/Saarland.
Die duale Ausbildung sei ein deutsches Markenzeichen und finde internationale Anerkennung, so Muscheid. Deshalb müsse man ständig weiter daran arbeiten, um hier noch besser zu werden. Die gute Nachricht: Mit 72,7 Prozent ist der überwiegende Teil der Befragten mit der fachlichen Qualität der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule grundsätzlich zufrieden.
Für viele Auszubildende reicht jedoch die Ausbildungsvergütung kaum, um über die Runden zu kommen. Nach Abzug von Kosten wie etwa Miete oder Fahrtkosten bleibt für viele Auszubildende nicht genug zum Leben übrig. Für sie bedeutet das häufig, neben der Ausbildung noch einen Nebenjob aufnehmen zu müssen.
„Die Ausbildungsvergütung muss ein Auskommen schaffen, das den Schritt in die Unabhängigkeit vom Elternhaus ermöglicht. Hiervon sind wir in vielen Branchen sehr weit entfernt. Auch die drastischen Unterschiede in der Höhe der Ausbildungsvergütung von Branche zu Branche geben zu denken. Der Report zeigt, dass in klassischen Männerberufen weiter besser bezahlt wird, als in eher weiblich dominierten Berufen. Hier wird der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern schon in der Ausbildung angelegt“, sagte der DGB-Landeschef.
Wichtig sei es besonders, ergänzt Muscheid, dass man jungen Menschen Perspektiven biete. Mehr als zwei Drittel der befragten Auszubildenden wissen nicht, ob sie nach der Ausbildung übernommen werden.
„Betriebe können gegen den Fachkräftemangel im eigenen Haus angehen, indem sie ausbilden und ihre Auszubildenden dann auch übernehmen!“
Als positiv stellt Dietmar Muscheid die Tatsache heraus, dass die Auszubildenden in Betrieben mit Interessenvertretungen wie Betriebs- oder Personalrat, Jugend- oder Auszubildendenvertretung im Vergleich deutlich zufriedener sind. Darin manifestiere sich ein klares Votum für die betriebliche Mitbestimmung, so Muscheid. 86 Prozent der Auszubildenden in Betrieben mit Interessenvertretung sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, in Betrieben ohne Mitbestimmung sind dies nur 59,4 Prozent.


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